Konfessionelle Zwänge unter dem landesherrlichen Kirchenregiment

Gottesdienstliche Gebete für die Gesundheit des Landesherrn waren in der Zeit des landesherrlichen Kirchenregiments, die in Deutschland bis 1918 währte, eine Selbstverständlichkeit. In gemischtkonfessionellen Territorien der Frühen Neuzeit konnte es dabei vorkommen, dass eine Gemeinde inbrünstig für einen Fürsten beten musste, der einer anderen Konfession als der ihrigen angehörte oder sogar deren ausgewiesener Gegner war. Das war im 18. Jahrhundert in der Kurpfalz der Fall.

Erste und letzte Seite des Gebets um Genesung des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm, 1712 (AEKR Boppard, Bestand Kirchengemeinde Heddesheim, Nr. 4, Akte 08)

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April Challenge #Archive30 – Tag 16: Something big (etwas Großes)

Petition der evangelischen Bürger Aachens zur öffentlichen Religionsausübung an Kaiser und Reichsstände, 10. April 1559 Aachen, Original-Pergamenturkunde mit 6 beschädigten Siegeln und 92 Unterschriften, H 51 cm x B 61,5 cm, Lizenz: CC-0, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG004 (Ev. Kirchengemeinde Aachen), Urkunde 6

Etwas Großes aus dem Archiv der Ev. Kirche im Rheinland? 
– Aber ja, unsere Original-Pergamenturkunde aus dem Bestand 4KG 004 (Ev. Kirchengemeinde Aachen), Nr. 6, misst stolze H 51 cm x B 61,5 cm. Sie ist ein wertvolles Zeugnis zur Reformationsgeschichte und den Auseinandersetzungen um die freie Religionsausübung in Aachen. Die Urkunde wurde bereits mehrfach publiziert sowie in Ausstellungen gezeigt. Zuletzt 2017 in Aachen zum Thema: „Das Ringen um den Rechten Glauben“, siehe auch im Ausstellungskatalog, S. 65.

Urkundenregest:

Adam von Tzevell, Wilhelm Engelbrecht, Joh. vam Hyrtz gen. Lanskronn, Karl
Gronendall, Franz van Endenn, Gyllis van der Kammenn, Hermann Bertolff,
Rolantt van der Cammen, Mylchiel Lewen, Joh. Rulandt, Claeß van Münster,
Claeß van Münster, der Jonge, Caspar Tzegelynn, Tyges van Hoeselt, Wilhelm
Koch, Doechscherre, Claes van Ammell, Peter Noustat, Gerhard Pael, Peter
Tzulben der Junghe, Joh. van Syegen, Jakob Büter (?), Joh. Thyllen, Thys
Symon, der Junge Ratsverwandte, sowie die Bürger Wilhelm Pastoir, Adolf van
Lyntzenich, Baltasar von Lyntzenich, Ludolf von Lintzenich, Joh. Amya,
Christoph van Stommel, Peter van Tzevell, Jakob van Lyntzenich, Servaes van
Collen, der Junste, Her Willem van Blickenberch, Rynhard Borman, Clays Amya,
Peter Rose, Steinmetz, Renert van Failß, Phlipß Thiellenn, Jaspar Clousse,
Walraeff Blanckart, Jakob Schorn, Simon van Theymann, Thys Boutden,
Heinrich Fibis, Geryt Paunell, Efferaet van Nutt, This Buß, Clais Hammer,
Gerleich Radermecher, Michel Klocker, Heinrich Myes, Peter Laubach, Peter
Beck, der Junge, Jan van Dalem, Wilhelm van Roumpen, Lenart faun Fourendall,
Wilhelm Raeloff, Thys van Collen, Johann Steynmetzer, Paul van den Weyer,
Bartholomäus Proeest, Malebrant Kis (?), Franz Meys, Joh. Thonen, Joh. Cuffen
(?), Roloff Cuper, Jan van Enden, Lenart van Enden, Gills Queven (?), Jan
Tiefricze (?), Mathewes Warhoußman, Pierre Moriel, Jakob van Remeyster,
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Der Weseler Konvent 1568: Schlüsseldatum rheinischer Kirchengeschichte oder Fake-Event?

Spätestens seit seiner 300-Jahr-Feier 1868 gilt der sogenannte Weseler Konvent vom    3. November 1568 gewissermaßen als grundlegende Weichenstellung für die reformierte Kirche in Nordwesteuropa: Damals hätten die dort anwesenden 43 Vertreter niederländischer Flüchtlingsgemeinden erstmals Artikel für eine presbyterial-synodale Kirchenverfassung formuliert.

Der amerikanische Historiker Jesse Spohnholz hat nun hierzu vor einigen Wochen eine 280 Seiten starke Monografie publiziert: „The Convent of Wesel. The Event that never was or The Invention of Tradition“. Dort legt er m. E. überzeugend dar, dass dieser Konvent nie stattgefunden hat. Weiterlesen

Beim Geld hört die Freundschaft auf: Der Konflikt um die Verteilung der holländischen Liebesgaben in der Synode Jülich vor 250 Jahren

Nachrichten über die Liebesgaben aus Holland für die Prediger und Schulmeister im Jülichschen 1765, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 1 OB 020 (Provinzialkirchenarchiv), 94;

Nachrichten über die Liebesgaben aus Holland für die Prediger und Schulmeister im Jülichschen 1765, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 1 OB 020 (Provinzialkirchenarchiv), 94;

Pecunia nervus rerum, auch und gerade in der Kirche. So erhielten die reformierten Kirchengemeinden im Herzogtum Jülich im 17. und 18. Jahrhundert jährliche Hilfsgelder aus den wohlhabenden Generalstaaten. Die Solidarität der Niederländer mit den bedrängten Glaubensgenossen ist umso höher zu veranschlagen, als sie selbst in eigenen Notzeiten, etwa während der Kriege mit Ludwig XIV., durchgehalten wurde. Diese „Liefdegiften“ (Liebesgaben) wurden sorgfältig bis auf den letzten Stüber abgerechnet (s. Abb.) und dann anlässlich der Jülicher Provinzialsynode an besonders bedürftige Gemeinden verteilt. 1766 standen so 1068 Gulden zur Verfügung, die umgerechnet 676 Kronentalern entsprachen. Anfang Mai entspann sich aber auf der Synode in Jüchen ein Konflikt um deren gerechte Verteilung. Weiterlesen