Emil Ernst Stoltenhoff : Aufruf zur kirchlichen Einigkeit

Was geschah an einem 8.März 1937?

Im Portal für Rheinische Geschichte ist dazu ein Beitrag über Emil Ernst Stoltenhoff (1879-1953) veröffentlicht worden. ….>>Weiterlesen

Trotz Notzeiten und Papierknappheit: An die Einführung von Pfarrer Heiermann in Lennep am 3. Advent 1946 erinnert eine gedruckte Predigt

Erinnerung an die Einführung von Pastor Heiermann aus Dortmund , 3. Advent 1946 ; Ansprache am 15. Dezember 1946; aus Bestand: AEKR Düsseldorf Archivbibliothek Bec 2700

AEKR Düsseldorf Archivbibliothek Bec 2700

Auf der Suche nach einem Adventsthema für unseren Blog stieß ich im Katalog der Archivbibliothek auf die gedruckte Einführungspredigt des Pfarrers Bernhard Heiermann vom 3. Advent (15.12.) 1946. Das ist genau 70 Jahre her und ich war erstaunt, dass in dieser Zeit des alltäglichen Mangels und der Not das Papier vorhanden war, um dieses Heft „Zur freundlichen Erinnerung an die Einführung“ zu drucken. Den Auftrag führte die J.F. Ziegler’sche Buchdruckerei in Remscheid im Januar 1947 aus. Das Exemplar gelangte aus dem Besitz des früheren Präses Joachim Beckmann in den Bestand der Archivbibliothek. Das stark holzhaltige, grobe Papier ist stark gebräunt und brüchig. Das Titelblatt ziert ein Foto des Kirchturms der alten evangelischen Stadtkirche in Lennep. Weiterlesen

Kirchliche Gemeindemanager um 1900

Pfarrer als Gemeindemanager um 1900, aus Bestand: AEKR Boppard

Pfarrer als Gemeindemanager um 1900, aus Bestand: AEKR Boppard

Zu viel Bürokratie, zu wenig Seelsorge – unter dieser Last stöhnen heute zahlreiche Pfarrerinnen und Pfarrer. Gerne wird dann die „gute alte Zeit“ vor fünfzig oder gar hundert Jahren beschworen, als sich der Gemeindepfarrer, frei von bürokratischen Schikanen vorgesetzter Behörden, noch mit voller Hingabe seinem eigentlichen Geschäft der Verkündigung und der Seelsorge widmen und die wenigen Verwaltungsaufgaben gleichsam en passant erledigen konnte. Doch bei dieser Vorstellung handelt es sich – wieigentlich immer, wenn die Erinnerung an eine angeblich unbeschwerte Vergangenheit gegen die schnöde Gegenwart ins Feld geführt wird – um ein idealtypisches Klischee, das mit der Realität nur wenig zu tun hat. Auf beeindruckende Weise macht das ein Fund deutlich, der jetzt bei Ordnungsarbeiten am Archivbestand des ehemaligen Kirchenkreises Trarbach auftauchte. Weiterlesen

Die Quellen schweigen zum Tod der Tochter Maria („Mulla“) des Düsseldorfer Pfarrers Samuel Keller

Hier soll von einem Beispiel dafür berichtet werden, dass sich Berichte in autobiographischen Darstellungen nicht immer in den Quellen wiederfinden: Von 1892 bis 1898 amtierte in der fünften Pfarrstelle der Evangelischen Gemeinde Düsseldorf Pfarrer Samuel Keller. Er wurde 1856 in St. Petersburg als Sohn eines aus der Schweiz zugewanderten Waisenhausvaters und Lehrers geboren.

Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Seine ersten Pfarrstellen hatte Samuel Keller in Grunau (Russland, 1880-1884) und Neusatz auf der Krim (1884-1891) inne, wo er die deutschen Kolonisten als Seelsorger betreute. Da seine Arbeit „eine ungewöhnlich dichte Frucht“ brachte, „wurde er ‚oben‘ unliebsam, und wenn er nicht ostwärts, d.h., nach Sibirien, verschwinden wollte, mußte er sich westwärts wenden.“, so Oskar Brüssau, S. 37.

Samuel Keller und seiner Frau Elisabeth Wilhelmine geb. Clever wurden vier Kinder geboren, Hans (1881), Margarete („Grete“, 1882), Maria („Mulla“, 1884) und als Nachzüglerin in Düsseldorf Elisabeth („Lia“, 1897). Keller erwähnt diese in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben„, die in zwei Bänden 1917 und 1922 erschien. Drei der Kinder sind auch in „Wer ist’s„, V. Ausgabe 1911, auf Seite 708 aufgeführt. Maria fehlt – und damit sind wir beim Kern dieses Beitrages. Weiterlesen

„Greift nun zu den Pokalen – lebt wohl, ihr Synodalen!“

Das lyrische Erbe der 27. Rheinischen Provinzialsynode

Die erste und die letzte Seite des humoristischen Mitgliederverzeichnisses der Rheinischen Synode von 1905 in Gedichtform aus der Feder von Pfarrer Friedrich Bingel (Weiler/Nahe); Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland;

Die erste und die letzte Seite des humoristischen Mitgliederverzeichnisses der Rheinischen Synode von 1905 in Gedichtform aus der Feder von Pfarrer Friedrich Bingel (Weiler/Nahe); Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (Boppard);

Rheinische Synoden können bisweilen recht trockene Veranstaltungen sein. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg war man aber immerhin bemüht, wenigstens zum Schluss der damals in der Regel zwei bis drei Wochen dauernden Tagungen den Synodalen, die vom großen Arbeitspensum meist ziemlich erschöpft waren, ein wenig Geselligkeit zu bieten – in Gestalt eines feierlichen Abschiedsessens.

Am Ende der Rheinischen Provinzialsynode des Jahres 1905 gab es zu diesem festlichen Mahl noch ein ganz besonderes Dessert: einen Gedichtvortrag von Pfarrer Friedrich Bingel aus Weiler an der Nahe, der mit launigen Versen sämtlicher anwesender Synodaler gedachte und dabei zwischen den Zeilen auch auf manch menschliches- allzumenschliches aus dem Leben der rheinischen Kirche anspielte. Völlig uneigennützig hatte der dichtende Theologe seine lyrische Ader freilich nicht angezapft: Die Übersendung der Druckfassung seines Werks an die synodalen Amtsbrüder verband er mit der Bitte um eine Spende für den örtlichen Pfarrhausbau – ein frühes Beispiel für fantasievolles Fundraising.

Inflation 1923: Milliarden für die Besoldung der Pfarrer

Hier soll ein Schreiben des Pfarrers und Superintendenten Walter Wolff aus Aachen – in seiner Funktion als Präses der Rheinischen Provinzialsynode – vom 2. Oktober 1923 an Pfarrer Wilhelm Menn vorgestellt werden. Menn war Pfarrer der kleinen Kirchengemeinde Remlingrade bei Remscheid und seit 1922 im Nebenamt der erste Sozialpfarrer der rheinischen Kirchenprovinz. In dieser Funktion sollte er sozialethische Themen bearbeiten und die Kirche in den Gremien der Arbeitswelt vertreten.

Gehaltsinflation, Schreiben Präses Wolff an Pfarrer Wilhelm Gustav Menn, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 6HA 008 (Handakten Wilhelm Menn), Sig. 1;

Gehaltsinflation, Schreiben Präses Wolff an Pfarrer Wilhelm Gustav Menn, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 6HA 008 (Handakten Wilhelm Menn), Sig. 1;

In dem Schreiben geht es um die Gehaltszahlung für die Pfarrer und die Spesen für Menn – unter den erschwerten Bedingungen der gewaltigen Inflation, die Deutschland erfasst hatte. Anschaulich macht die ungeheure Geldentwertung die Entwicklung des Briefportos 1923 (Quelle: Wikipedia): 31.01.: 50 Mark,
26.06.: 100 Mark,
08.08.: 1.000 Mark,
07.09.: 75.000 Mark,
03.10.: 2 Mio. Mark,
22.10.: 10 Mio. Mark,
03.11.: 100 Mio. Mark,
09.11.: 1 Mrd. Mark. Bei der Währungsreform am 15.11.1923 betrug das Porto 10 Mrd. Mark, die einem Reichspfennig entsprachen. Der Dollarkurs in Mark war 1923 von 49.000 bis auf 4,2 Billionen Mark gestiegen, die am 15.11. 4,20 Reichsmark entsprachen. Weiterlesen

Wer kennt diesen Pfarrer?

Pfarrer wechseln bekanntlich schon mal die Pfarrstelle. Selbst wenn sie in eine andere Landeskirche wechseln, ist üblicherweise zumindest der Name dieser Kirche bekannt. Aber nicht immer. Und es gibt Fälle, da ist zwar der Name des neuen Pfarrortes überliefert, aber dies nützt immer noch nichts, denn diesen Ortsnamen gibt es mehrfach.

Was kann ich in solchen Fällen tun?

Als erstes sehe ich natürlich in den geographisch und/oder konfessionell naheliegenden Pfarrerbüchern nach. Hilft dies nicht weiter, werden die übrigen verfügbaren Pfarrerbücher durchsucht, anschließend das Internet.

Zunächst möchte ich einen konkreten Fall vorstellen, anschließend bitte ich bei einer ganzen Reihe ähnlicher Fälle um Ihre Hilfe.

Wilhelm Christian Groos war von 1811 bis 1813 Pfarrer in Züsch. Rosenkranz schreibt, ohne daß mir seine Quellen bekannt geworden wären, Groos sei am 1. Feb. 1787 als Sohn des Pfarrers Georg Groos und seiner Ehefrau Klara Sofia geb. Christian in Wehrheim bei Usingen geboren worden. Von 1813 bis zu seinem Tod am 26. Aug. 1823 wäre er Pfarrer in Eberbach am Neckar gewesen.

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Räuberbanden und wehrhafte Pfarrer

Überfall auf das Pfarrhaus im Mülheim (Stich)

Überfall auf das Pfarrhaus im Mülheim (8SL 063 Pfarrerfamilie Denhard, Nr.45)

Räuberbanden trieben in der Frühen Neuzeit ihr Unwesen im Rheinland.

Die Faszination, die heute von einigen dieser Banden und ihren teilweise legendären Repräsentanten ausgeht, ist bis heute ungebrochen. Die Legendenbildung begann zum Teil schon zu Lebzeiten der „Räuberhauptmänner“. So z.B. beim „Schinderhannes“ Johannes Bückler, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Südrhein für Unruhe sorgte.
Am Niederrhein waren mehrere Räuberbanden aktiv. Eine davon war die „Niederländische Bande“ um den berüchtigten Hauptmann Mathias Weber, aufgrund seiner Kampftechnik „ Fetzer“ genannt. Zahlreiche Verbrechen werden ihm im ausgehenden 18. Jahrhundert zugerechnet, u.a. zwei Raubzüge auf das Neusser Rathaus und ein Überfall auf einen Kölner Postwagen.

Einer der spektakulärsten Raubzüge der „Fetzer‘schen Bande“   richtete sich gegen das Pfarrhaus des reformierten Pfarrers Johann Otto Pithan (1742-1807) in Mülheim an der Ruhr. Der gab sich aber nicht kampflos geschlagen. Weiterlesen

Advent im Kriegsgefangenenlager

Erste Seite der Ev. Lagerzeitung „Unter dem Wort“, Nr. 18/1945, hrsg. von Pfarrer Rolf Girardet, Archivbibliothek Sig. ZK 838

Der Advent ist eine Zeit des Wartens und Hoffens.

Das haben sicherlich auch die Leser der Adventsausgabe des Jahres 1945 des evangelischen Gemeindeblatts „Unter dem Wort“ so empfunden, als sie die einleitenden Worte über den Philipperbrief lasen. Immerhin war ihre Zukunft ungewiss, da sie sich bis auf weiteres als Kriegsgefangene im amerikanischen Lager Fort Custer in Michigan befanden.

Zu den Gefangenen zählte auch der rheinische Pfarrer Rolf Girardet (1912-1984). Weiterlesen

War Pfarrer Gottfried Hessel ein Mörder?

Ein Verdacht ist schnell ausgesprochen. Ihn zu beweisen oder zu widerlegen fällt da schon schwerer. Und es ist nicht immer möglich. Selbstverständlich kann grundsätzlich auch ein Pfarrer zum Mörder werden. Und es hat solche Fälle bereits gegeben. Zu erinnern sei an den Kellenbacher Pfarrer Gerhard Entes, der 1590 seine Frau erschlug weil sie zuviel Geld für Kleidung ausgab. Hier will ich einen Fall aus dem Jahre 1872 schildern, der bis heute nicht geklärt werden konnte.

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