Das Kreuz mit der deutschen Kurrentschrift (Teil II)

Vor knapp zwei Jahren haben wir hier über die ersten Versuche einer automatisierten Erkennung älterer Handschriften berichtet. Hierzu wurde das Tool Transkribus entwickelt. Nun wird zur ersten Transkribus User Conference eingeladen, die am 2.-3. November 2017 in Wien stattfinden wird. Die Tagung wird ausgerichtet von der EU-Initiative READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents). Im Mittelpunkt steht das Feedback der Testnutzer der Software:

„The event will shed light on the latest technological advances in the fields of Automated Text Recognition, Layout Analysis, Writer Identification, Keyword Searching and Information Extraction.  It will also provide many opportunities for users to give feedback to Transkribus developers and ask questions about how automated processing can work on their documents.“

Es ist gut vorstellbar, dass in vielleicht zehn Jahren die Entzifferung und Transkription handschriftlicher Dokumente des 16.-20. Jahrhunderts wie selbstverständlich über solche Tools laufen wird.

Können Sie Steno? Aus der Arbeitspraxis eines Archivars

Stenografierte Notizen von Pfarrer Hans Josten, ca. 1959 (6HA 029)

Stenografierte Notizen von Pfarrer Hans Josten, ca. 1959 (6HA 029)

Unleserliche Handschriften stellen Archivare im Arbeitsalltag häufig vor Probleme.

Worum geht es in dem Schriftstück? Das ist eine wichtige Frage, wenn es um die richtige archivische Einordnung geht. Selbst wenn man ältere Schriften wie die deutsche Kurrentschrift und Sütterlin relativ gut beherrscht, kann man manchmal nur einzelne Wörter entziffern. Am schwierigsten ist es bei Konzepten und Briefentwürfen. Noch schlimmer ist es bei Eigennamen und Unterschriften.  Aber immerhin geben einzelne Wörter eine Orientierung, mit der man sich den Inhalt nach und nach erschließen kann.

„Oh Mann, was für eine Klaue. Ich kann kein einziges Wort entziffern!“ war auch meine erste Reaktion, als mir das abgebildete Schriftstück aus den Handakten des Pfarrers Hans Josten, von 1935 bis 1954 Leiter des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, beim Verzeichnen in die Hände fiel. Weiterlesen

Das Kreuz mit der deutschen Kurrentschrift

Deutsche KurrentschriftJeder, der einmal die Feldpostbriefe seines Großvaters oder ältere Kirchenbucheinträge lesen wollte, wird die Erfahrung bestätigen: Ohne ein regelrechtes Erlernen und Üben der sogenannten Kurrentschrift wird es beim bloßen Wortraten bleiben. Diese Buchstabenformen bildeten nun einmal vom 16. Jahrhundert an bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die Grundlage aller deutschen Privat- und Behördenschreiben. Natürlich  bieten bereits VHS-Kurse und klassische Übungsbücher eine gute Trainingsgrundlage. Es gibt aber ganz aktuell auch einige neue Online-Angebote. Weiterlesen