Ein Blick in die eigene Vergangenheit

Titelblatt Der WEG, Nr. 36/ 1979, 9.9.1979; aus Bestand: AEKR Düsseldorf Archivbibliothek ZK70

Die Titelseite der Ausgabe vom 9. September 1979 widmeten die Herausgeber der Kirchenzeitung Der WEG einem Artikel über die Landeskirchlichen Archive in Bielefeld und Düsseldorf. Darauf zu sehen ist der westfälische Landesarchivrat Dr. Hans Steinberg in einem Archivmagazin in Bielefeld.

In einem doppelseitigen Artikel werden die Archive in Bielefeld und Düsseldorf näher vorgestellt. 530 laufende Regalmeter umfassten die Bestände im Düsseldorfer Archiv  damals. Heute sind es mehr als 7000. Ein Teil davon lagert mittlerweile in einem Außenmagazin in Moers. Neben Archivdirektor Dr. Dietrich Meyer waren damals noch ein Bibliothekar und eine Sekretärin für die Betreuuung der Unterlagen zuständig.Heute sind alleine am Düsseldorfer Standort außer Archivleiter Dr. Stefan Flesch noch fünf Mitarbeiter beschäftigt.
(Ganzer Artikel: DerWEG36_1979_Archivartikel)
Vieles hat sich in den beinah 40 Jahre verändert, das Ziel archivischer Arbeit ist aber gleich geblieben: Weiterlesen

Archivpflege gestern und heute

aus: 4KG 005, 28

Aufruf des Königlichen Konsistoriums zur Ordnung der Gemeindearchive, 1842, aus: 4KG 005, 28

Erstaunlich aktuell und auf den Punkt wirkt dieser Aufruf des Königlichen Konsistoriums in Koblenz an die Superintendenten der Rheinprovinz aus dem Jahr 1842, der mir im Bestand der Ev. Gemeinde Düsseldorf in die Hände fiel:

Noch immer sind in vielen Pfarreien die Kirchen-Archive nicht gehörig geordnet und keine Inhaltsverzeichnisse derselben aufgestellt. Dieser Mangel erschwert nicht nur den Gebrauch der vorhandenen Akten und damit die zweckmäßige Verwaltung des Vermögens der Pfarreien, sondern hat auch, indem bald wichtige Aktenstücke, zumal während der Erledigung der Pfarrstellen, verloren gehen, bald aus Nichtkenntniß der vorhandenen Akten die Rechte der Kirchen, Pfarreien nicht aufrecht erhalten werden, für manche Gemeinde bedeutende Verluste zur Folge. Wir beauftragen daher im Einverständniß mit der königlichen Regierung Euer Hochwürden, diejenigen Pfarrer Ihrer Synode, deren Gemeinde noch kein gehörig geordnetes, mit einem Inhaltsverzeichnis versehenes Kirchenarchiv besitzt, anzuweisen, binnen zwölf Monaten sämmtliche Bücher und Schriften ihrer Pfarrgemeinde nach dem beiliegenden Plan zu ordnen und zu verzeichnen.[…] Weiterlesen

Die Quellen schweigen zum Tod der Tochter Maria („Mulla“) des Düsseldorfer Pfarrers Samuel Keller

Hier soll von einem Beispiel dafür berichtet werden, dass sich Berichte in autobiographischen Darstellungen nicht immer in den Quellen wiederfinden: Von 1892 bis 1898 amtierte in der fünften Pfarrstelle der Evangelischen Gemeinde Düsseldorf Pfarrer Samuel Keller. Er wurde 1856 in St. Petersburg als Sohn eines aus der Schweiz zugewanderten Waisenhausvaters und Lehrers geboren.

Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Seine ersten Pfarrstellen hatte Samuel Keller in Grunau (Russland, 1880-1884) und Neusatz auf der Krim (1884-1891) inne, wo er die deutschen Kolonisten als Seelsorger betreute. Da seine Arbeit „eine ungewöhnlich dichte Frucht“ brachte, „wurde er ‚oben‘ unliebsam, und wenn er nicht ostwärts, d.h., nach Sibirien, verschwinden wollte, mußte er sich westwärts wenden.“, so Oskar Brüssau, S. 37.

Samuel Keller und seiner Frau Elisabeth Wilhelmine geb. Clever wurden vier Kinder geboren, Hans (1881), Margarete („Grete“, 1882), Maria („Mulla“, 1884) und als Nachzüglerin in Düsseldorf Elisabeth („Lia“, 1897). Keller erwähnt diese in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben„, die in zwei Bänden 1917 und 1922 erschien. Drei der Kinder sind auch in „Wer ist’s„, V. Ausgabe 1911, auf Seite 708 aufgeführt. Maria fehlt – und damit sind wir beim Kern dieses Beitrages. Weiterlesen

Interessante Überlieferung zu einer Konfirmation im Jahr 1908

Von dem Düsseldorfer Pfarrer und Superintendenten i.R. Helmut Ackermann (über ihn) hat das Landeskirchliche Archiv eine Anzahl älterer Gesangbücher übernommen. Diese Sammlung erstreckte sich über das Rheinland hinaus. Eines dieser Gesangbücher enthält interessante Dokumente zur Geschichte einer Konfirmation im Jahr 1908: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902, verlegt in Wolfenbüttel bei Julius Zwißler.

Das zweite Vorsatzblatt enthält die folgende Widmung:

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Rudolf Studte
ist am weißen Sonntag 1908 (den 26. April)
in der Katharinenkirche zu Braunschweig
konfirmiert.
Text der Konfirmationsrede:
Hebr. 10.39.
Wir aber sind nicht von denen, die da
weichen!
Braunschweig, den 27. April 1908
Stock, Pastor.

Die hier erwähnte Konfirmationsrede hat Pastor Stock drucken lassen:
„Fest und treu!“ Konfirmationsrede gehalten am Weissen Sonntag (26. April) 1908 in der St. Katharinenkirche zu Braunschweig von Pastor A. Stock über Hebr. 10, 39. Braunschweig: Verlag von Johannes Neumeyer 1908, 10 Seiten

Möglicherweise hat jede(r) Konfirmierte den Druck anschließend erhalten. Jedenfalls hat Rudolf Studte die Predigt besessen und in sein Konfirmationsgesangbuch eingelegt. Es handelt sich übrigens um ein sehr schönes Gesangbuch mit einem in Jugendstilornamenten geprägten Pappeinband; die goldene Inschrift auf dem vorderen Deckel „Befiehl dem Herrn deine Wege“ und der Goldschnitt vervollständigen die Ausstattung.

Eine weitere Beilage verrät, wie das Gesangbuch aus Braunschweig nach Düsseldorf gelangte: Weiterlesen

Letzte Station Armenhaus: Zeugnisse des reformierten Armenwesens in Düsseldorf

Inventarliste der Margaretha van Veld bei Eintritt ins Armenhaus der Reformierten Gemeinde Düsseldorf, 1785

Inventarliste der Margaretha van Veld bei Eintritt ins Armenhaus der Reformierten Gemeinde Düsseldorf, 1785

1 große Kiste
1 kleine ditto
2 grüne (?) Frauen-Jacken,
1 schwartzen stoffen Jack und Rock
1 Violet ditto
1 Damasten-Rock
2 Greenen ditto
3 Schürtzen
3 Hals-Tücher
4 Hauben
6 Hembder
2 Bett-Lacken
1 Spinnrad
1 unbrauchbares Eisenpöttgen

Das war alles, was Margaretha van Veld mitbrachte, als sie am 27. Januar 1785 in das Armenhaus der Reformierten Gemeinde in Düsseldorf aufgenommen wurde.

Die Conditionen, welche von den Reformirten Armen, die in das Armen-Haus aufgenommen werden, bey der Aufnahme eigenhändig zu unterzeichnen sind, regelten weiterhin, dass die Aufgenommenen ihre mitgebrachten Güter, „Kleider, Bette, Meuble, Effecten und Haußgeräthe ohne Ausnahme“, weder „versetzen, noch sonst auf einige andere Weise veräußern“ durften. Weiterlesen

Das neue Findbuch der Ev. Gemeinde Düsseldorf ist jetzt online!

Neanderkirche Lachmann

Ev. Neanderkirche in Düsseldorf (Fotosammlung Hans Lachmann), Bauakten der Neanderkirche: 4KG 005, Nr.217-230 u. 545

Der Aktenbestand der im Jahr 1948 aufgelösten Ev. Großgemeinde Düsseldorf, der eine Gesamtlaufzeit von fast 400 Jahren hat, hat bewegte Zeiten hinter sich.

Durch deren Vereinigung im Jahr 1824 flossen die Akten von zwei über mehr als zweihundert Jahre getrennten Gemeinden, nämlich der Lutherischen und der Reformierten Gemeinde, zu einem Gemeindebestand zusammen. Dieser wurde bereits gute zehn Jahre später erstmals von Pfarrer Heinrich Wilhelm Budde erfasst. Das von ihm in den Jahren 1837 erstellte Repertorium bezeichnete Landeskirchenarchivar Walter Schmidt bei seinen Verzeichnungsarbeiten im Jahr 1951 als „wenig brauchbar“, da die Bestände einfach ungeordnet und ohne Rücksicht auf chronologische Abfolgen in eine feste Heftung gebracht worden waren. Trotz aller Mängel der Verzeichnung hat dieser Altbestand der Ev. Gemeinde Düsseldorf  – im Gegensatz zu der überwiegenden Masse des jüngeren Schriftguts – den Krieg weitgehend überstanden und bildet nun einen bedeutenden Fundus auch für stadtgeschichtliche Forschungen, da die Überlieferungen der Stadt Düsseldorf vor 1800 verhältnismäßig gering ist.
Zur besseren Nutzbarkeit sah sich Schmidt im Jahr 1951 genötigt, die Konvolute aufzulösen und völlig neu zu ordnen. Herausgekommen ist ein ausführliches, informatives Findbuch: der Bestand Düsseldorf I. Weiterlesen

Die Poensgen-Familie: 86 cm vom Pfarrer zum Industriellen

aus Publikation „Die Geschichte der Familie Poensgen“ Teil 2, Bearb. Pfarrer E. Poensgeb, Düsseldorf 1908; Bestand Universitätsbibliothek Heidelberg B 446-288;

aus Publikation „Die Geschichte der Familie Poensgen“ Teil 2, Bearb. Pfarrer E. Poensgen, Düsseldorf 1908; Bestand Universitätsbibliothek Heidelberg B 446-288;

Es ist gar nicht so selten, dass Pfarrer aus Industriellenfamilien entstammen. Bei der Arbeit an dem Handbuch der Pfarrerinnen und Pfarrer der rheinischen Landeskirche stieß ich beim Buchstaben “P” auf den mir hier in Düsseldorf wohlbekannten Namen Poensgen. Es gab drei rheinische Pfarrer dieses Namens, und in dem Nachschlagewerk “Neue deutsche Biographie” (NDB), Band 20, stehen ebenfalls drei Namensträger mit eigenen Artikeln. Und da befindet man sich schon mittendrin in der o.g. Beziehung, denn der in NDB-Artikel Nr. 2 beschriebene Albert Poensgen (1818-1880), Röhrenfabrikant zunächst in der Eifel und später in Düsseldorf, ist der Bruder des Pfarrers Eduard Poensgen (1808-1851). Der Vater der beiden, Daniel Giesbert Poensgen, war Flanellfabrikant in Kirschseiffen in der Eifel.

Porträt der Pfarrer Eduard Poensgen und Ernst Poensgen, aus: Publikation „Die Geschichte der Familie Poensgen“ Teil 2, Bearb. Pfarrer E. Poensgen, Düsseldorf 1908; Bestand Universitätsbibliothek Heidelberg B 446-288;

Porträt der Pfarrer Eduard Poensgen und Ernst Poensgen, aus: Publikation „Die Geschichte der Familie Poensgen“ Teil 2, Bearb. Pfarrer E. Poensgen, Düsseldorf 1908; Bestand Universitätsbibliothek Heidelberg B 446-288;

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Zerstörung von Kirchengebäuden in Düsseldorf in den Bombennächten am 12.6.1943 und 2.11.1944

Zerstörte Christuskirche, ca. 1945, 8SL 046 Bildarchiv, Sammlung Hans Lachmann

Zerstörte Christuskirche, ca. 1945 (8SL 046 Bildarchiv, Sammlung Hans Lachmann)

Das Bombardement der britischen Luftwaffe auf Düsseldorf begann um 1.25 Uhr. Innerhalb von nur 80 Minuten zerstörten mehr als 220000 Bomben bei diesem schwersten aller Angriffe auf die Stadt am 12. Juni 1943 weite Teile der Düsseldorfer Innenstadt und der umliegenden Stadtteile.Weitere Angriffe folgten, u.a. ein weiterer Großangriff in der Nacht vom 2. auf den 3. November 1944, bis schließlich ein Großteil der Stadt in Trümmern lag.
Natürlich machte die Zerstörung auch vor Kirchen und Pfarrhäusern nicht Halt: Weiterlesen

Tradition und Wandel in der Ev. Gemeinde Düsseldorf

Wertvolle Tradition: Erste Seite der Unionsurkunde der reformierten und lutherischen Gemeinden in Düsseldorf, 1824, 4KG 005, Nr. 373

Wertvolle Tradition: Erste Seite der Unionsurkunde der reformierten und lutherischen Gemeinden in Düsseldorf, 1824, 4KG 005, Nr. 11

„Bis zur Jahrhundertwende ist die neue Evangelische Gemeinde nur langsam gewachsen. Um 1880 wurde an 5 Stellen der Stadt Gottesdienst gehalten. Mit der zunehmenden Industrialisierung wuchs in den Jahren 1910-1930 die Evang. Gemeinde zu einer der größten Gemeinden Deutschlands an; sie umfasste schließlich vor Ausbruch des letzten Krieges etwa 110000 Seelen.“ So beginnt Dr. Alvermann seinen Bericht für den 1947 gegründeten Ausschuss für die Aufteilung der Gemeinde Düsseldorf (4KG 005, Az. 01-1, Nr. 373). Die Frage, ob die große Gemeinde nicht besser aufgeteilt werden sollte und die Parochien in den Außenbezirken der Stadt, die meist eh schon ein Eigenleben führten, zu eigenen Gemeinde erklärt werden sollten, sei immer wieder aufgeworfen worden. Das Bewusstsein für die wertvolle Tradition der im Jahr 1824 gegründeten Union der Lutherischen und der Reformierten Gemeinde habe aber eine konkrete Lösung bisher verhindert. Bei einer Trennung der Gemeinde könnte der Eindruck entstehen, „als würde nun eine geschichtliche Entwicklung wieder rückgängig gemacht“ – und alles blieb beim Alten. Vorerst! Weiterlesen

Die Heilkunst des 18. Jahrhunderts

Arzneirezept gegen Bauchschmerzen bei Kindern, 18. Jh., aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG 005 ( Kirchengemeinde Düsseldorf), 296

Arzneirezept gegen Bauchschmerzen bei Kindern, 18. Jh., aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG 005 ( Kirchengemeinde Düsseldorf), 296

Dass Mütter schon immer die besten Hausmittel kannten, mit denen man die Wehwehchen von Kindern behandeln kann, ist bekannt. Wer dieses einfache Rezept im 18. Jahrhundert zu Papier gebracht hat, ist leider nicht bekannt. Es wirkt aber sicherlich damals wie heute (sofern man weiß, was Grimenöl ist – ich weiß es leider nicht).

Wann die Kinder mit Grimmen
oder Verschlossene wieder geplagt sind,
vor einen Stüber Grimen Öhl,
vor einen Stüber Camillen Öhl
Schmieret denen Kindern mit einer warmen Handt
den Bauch damit, leget einen sanften Tuch dreij doppelt gefalten
und warm gemacht darauf, ist sehr gut

Diese ärztliche Verordnung ist Teil einer Akte des Aktenbestandes der Ev. Kirchengemeinde Düsseldorf (4KG 005, Az. 66,7). Sie enthält noch weitere Arzneirezepte, überwiegend aus dem 18. Jahrhundert. Dabei sind sowohl praktische Rezepte wie das oben stehende gegen Bauchschmerzen bei Kindern und Mittel gegen Husten, als auch eher dubios erscheinende Rezepte für ein „Universalpulver“ oder „Wundersalbe“. Viele davon sind sehr schwer zu lesen oder zum Teil nur in Fragmenten erhalten. Trotzdem bilden sie ein interessantes Mosaiksteinchen der Lebenswelt der frühneuzeitlichen Düsseldorfer.