Ein Fotoalbum aus der Zeit des Kirchenkampfs

Ein wertvolles Dokument aus dem persönlichen Nachlass des Koblenzer Pfarrers und Superintendenten Wilhelm Rott (1908-1967) wurde jetzt der Evangelischen Archivstelle Boppard übergeben und den Unterlagen beigefügt, die sich schon in Boppard befanden. Es handelt sich um ein Fotoalbum, das Bilder aus dem Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Pommern) enthält.

Titelblatt des Fotoalbums mit Bildern aus dem Wintersemester 1936/37 (aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 024B (Nachlass Superintendent Wilhelm Rott)

Wilhelm Rott war zwischen 1935 und 1937 Studieninspektor in dem von von Dietrich Bonhoeffer geleiteten Seminar. In der von der offiziellen altpreußischen Kirchenleitung als illegal eingestuften Einrichtung wurden bekenntniskirchliche Vikare auf den Pfarrdienst vorbereiten. Neben der theologischen Wissensvermittlung legte Bonhoeffer großen Wert auf christlichen Gemeinschaftsgeist im alltäglichen Leben, so wie er es in seiner 1938 erschienenen Schrift „Gemeinsames Leben“ im Rückblick auf die Finkenwalder Erfahrungen ausgeführt hatte. Andachten, geistliche Übungen und gemeinsames Singen und Musizieren strukturierten den Tag der Vikare in Finkenwalde. Dass darüber hinaus aber gelegentlich auch noch Zeit für gesellige Aktionen blieb, belegt das „Gruppenbild mit Schneemann in Segenshaltung“ auf anrührende Weise.

Gruppenbild der Finkenwalder Vikare im Wintersemester 1936/37. Dietrich Bonhoeffer in der 2. Reihe von oben 3 v. l., Wilhelm Rott schräg unterhalb rechts neben ihm, Fotograf unbekannt. aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 024B (Nachlass Superintendent Wilhelm Rott)

Deutsche Auswandererseelsorge in Brasilien vor 1914

Pfarrersleute in Brasilien, in: 75 Jahre deutsch-evangelischer Diasporaarbeit in Nord- u. Südamerika – Eine deutsche evangelische Kirche im Urwalde Südbrasiliens, P.M. Dedekind, Elberfeld 1912

„Pfarrersleute in Brasilien“, so lautet der Titel dieser ca. 1912 entstandenen Aufnahme in der Festschrift der „Evangelischen Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“. Beim Blick auf das Pfarrerehepaar hoch zu Ross vermag man auch die praxisnahen „Ratschläge für die Ausrüstung“ ( 1,37 MB) nachzuvollziehen, die 1905 von der Gesellschaft für ausreisefreudige jüngere deutsche Theologen publiziert wurden. Dort wird den Pfarrfrauen unter anderem die Mitnahme eines Reitrocks, lang aus schwarzem, waschbaren Stoff, empfohlen. Dem Pfarrherrn wurde dringend nahegelegt: „1 guter Revolver mit Zentralfeuer und nötige Munition u. U. angenehm. Jagdflinte würde nur sehr seltenen Gebrauch finden. Praktisch ein längeres Jägermesser.“

Akten und Publikationen der 1837 ursprünglich in Langenberg gegründeten, später in Barmen beheimateten Gesellschaft befinden sich jetzt im Archiv der EKiR.

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Neues Online-Findbuch zur rheinischen Diakoniegeschichte 1849-1912

Wer sich mit diakonischer Arbeit im Rheinland vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigt, kommt an diesem Bestand nicht vorbei: Der Rheinische Provinzialausschuss für Innere Mission wurde 1849 gegründet und hatte seit 1852 seinen Sitz in Langenberg. Der Vorstand bestellte zur Durchführung der Arbeit sog. Agenten als Vereinsgeistliche. Diese Hilfsprediger wurden dann im Wesentlichen aus Spenden von Freunden der Inneren Mission besoldet.

In den 351 Verzeichnungseinheiten findet sich u. a. das erhaltene Schriftgut der Evangelischen Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Nordamerika. Zu den ältesten Beispielen von Missionsarbeit in speziellen Berufssegmenten zählt die Kellnermission. Zur Betreuung der wandernden Gesellen entwickelte sich ein dichtes Netzwerk an den sogenannten Herbergen zur Heimat. Sendboten des Provinzialausschusses wurden in den „Wilden Westen“ in den Saarbrücker Bergwerksdistrikt geschickt und verfassten Berichte über die haarsträubenden sozialen und hygienischen Bedingungen, unter denen die Bevölkerung in den ersten Jahrzehnten der Schwerindustrialisierung lebte. Berichte aus den rheinischen Heil- und Pflegeanstalten sowie zu kirchlichen Vereinen runden das breite Überlieferungsspektrum ab.

Vordigital – Arbeit in den 1950ziger und 1960ziger Jahren

Messerschleifer in einem Schleifkotten bei Solingen/Bergisches Land, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_002301

Man weiß es aus den eher beiläufigen Schilderungen der Eltern und Großeltern: In den 1950ziger und 1960ziger Jahren wurde viel und hart gearbeitet. Es fällt heute allerdings schwer, die enorme Arbeitsbelastung wie auch die zumeist bescheidenen Lebensumstände der Menschen in dieser Zeit des „Wiederaufbaus” im Nachkriegsdeutschland nachzuempfinden.

Der Fotograf Hans Lachmann, der in dieser Zeit die Gesellschaft in und um Düsseldorf im Sucher seiner Kamera hatte, führt uns die damalige Arbeitswelt vor Augen: Messerschleifer in gebückter Haltung an ihren Schleifmaschinen, Tankwart, Schmied, Fahrer einer Straßenwalze, Gerüstbauer, die ein Holzgerüst aufbauen, Arbeiter in einem Stahlwerk, ein KFZ-Mechaniker mit einem – aus heutiger Sicht – primitiven Messgerät an einem Motorblock, Werkzeugmacher, Schichtwechsel.

  • Evangelische Arbeiterkolonie Lühlerheim, Schmied, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_002345

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Der Hugenottennachfahre Friedrich Wilhelm de Landas hatte ein Herz für die Armen

Im Archiv der Ev. Kirche im Rheinland befindet sich in der biografischen Sammlung ein Zeitungs-Ausschnitt aus dem „Weg“ von 1985 ( Das evangelische Düsseldorf 25.8. Nr. 35  ). Dieser Artikel ist anlässlich einer Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf über die Hugenotten geschrieben worden (Bestand 8 SL 045).

In dem Artikel wird Friedrich Wilhelm de Landas vorgestellt, der ein großer Gönner der armen Leute war. Er versorgte sie auf seinem Gut Korreshof in Mettmann mit Geld und Kleidung. Eine Straße ist in Mettmann nach dem bekannteren Hugenotten-Nachfahren Dr. Adolf Nourney genannt.Die Bild-Reproduktion ist von Hans Lachmann. Es zeigt die Verhaftung eines hugenottischen Familienvaters in Frankreich.

Es gibt im Archiv auch eine Plakatsammlung mit Plakaten zum Deutschen Hugenottentag, (Bestand 8 SL 049). Siehe auch Archiv-Katalog: 100 Jahre Deutscher Hugenotten Verein 1890-1990 oder der Zeitschriftenbestand: Der deutsche Hugenott

Bestände zur rheinischen Diakoniegeschichte zugänglich gemacht

Dr. Otto Ohl, Geschäftsführender Direktor des Rheinischen Provinzialausschusses für Innere Mission, 1957, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 011_0084

Interessieren Sie sich z. B. für soziale Hilfsmaßnahmen während der Weltwirtschaftskrise, die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg oder die Betreuung weiblicher Jugendlicher aus der SBZ nach 1945? Dann werden Sie fündig in der Registratur von Otto Ohl, der von 1912 bis 1963 als Geschäftsführer des Rheinischen Provinzialausschusses für Innere Mission in Langenberg amtierte.

Über den Schreibtisch dieses begnadeten Netzwerkers liefen für ein halbes Jahrhundert alle Korrespondenzen zu den Anstalten und Heimen der Inneren Mission im Rheinland ebenso wie die vielfältige Vereinsarbeit im sozialen und diakonischen Bereich. Das Findbuch zum „Bestand Ohl“ mit nicht weniger als 2347 Verzeichnungseinheiten ist nun online gestellt worden. Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 16: Something big (etwas Großes)

Petition der evangelischen Bürger Aachens zur öffentlichen Religionsausübung an Kaiser und Reichsstände, 10. April 1559 Aachen, Original-Pergamenturkunde mit 6 beschädigten Siegeln und 92 Unterschriften, H 51 cm x B 61,5 cm, Lizenz: CC-0, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG004 (Ev. Kirchengemeinde Aachen), Urkunde 6

Etwas Großes aus dem Archiv der Ev. Kirche im Rheinland? 
– Aber ja, unsere Original-Pergamenturkunde aus dem Bestand 4KG 004 (Ev. Kirchengemeinde Aachen), Nr. 6, misst stolze H 51 cm x B 61,5 cm. Sie ist ein wertvolles Zeugnis zur Reformationsgeschichte und den Auseinandersetzungen um die freie Religionsausübung in Aachen. Die Urkunde wurde bereits mehrfach publiziert sowie in Ausstellungen gezeigt. Zuletzt 2017 in Aachen zum Thema: „Das Ringen um den Rechten Glauben“, siehe auch im Ausstellungskatalog, S. 65.

Urkundenregest:

Adam von Tzevell, Wilhelm Engelbrecht, Joh. vam Hyrtz gen. Lanskronn, Karl
Gronendall, Franz van Endenn, Gyllis van der Kammenn, Hermann Bertolff,
Rolantt van der Cammen, Mylchiel Lewen, Joh. Rulandt, Claeß van Münster,
Claeß van Münster, der Jonge, Caspar Tzegelynn, Tyges van Hoeselt, Wilhelm
Koch, Doechscherre, Claes van Ammell, Peter Noustat, Gerhard Pael, Peter
Tzulben der Junghe, Joh. van Syegen, Jakob Büter (?), Joh. Thyllen, Thys
Symon, der Junge Ratsverwandte, sowie die Bürger Wilhelm Pastoir, Adolf van
Lyntzenich, Baltasar von Lyntzenich, Ludolf von Lintzenich, Joh. Amya,
Christoph van Stommel, Peter van Tzevell, Jakob van Lyntzenich, Servaes van
Collen, der Junste, Her Willem van Blickenberch, Rynhard Borman, Clays Amya,
Peter Rose, Steinmetz, Renert van Failß, Phlipß Thiellenn, Jaspar Clousse,
Walraeff Blanckart, Jakob Schorn, Simon van Theymann, Thys Boutden,
Heinrich Fibis, Geryt Paunell, Efferaet van Nutt, This Buß, Clais Hammer,
Gerleich Radermecher, Michel Klocker, Heinrich Myes, Peter Laubach, Peter
Beck, der Junge, Jan van Dalem, Wilhelm van Roumpen, Lenart faun Fourendall,
Wilhelm Raeloff, Thys van Collen, Johann Steynmetzer, Paul van den Weyer,
Bartholomäus Proeest, Malebrant Kis (?), Franz Meys, Joh. Thonen, Joh. Cuffen
(?), Roloff Cuper, Jan van Enden, Lenart van Enden, Gills Queven (?), Jan
Tiefricze (?), Mathewes Warhoußman, Pierre Moriel, Jakob van Remeyster,
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„Nichts für Angsthasen“ – Altern im Heim

Ev. Altenheim Otto-Ohl-Haus in Düsseldorf-Garath, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 117: Altenheim, aus Bestand: AEKR 8SL046 (Bildarchiv),00_02701_0115

Mae West, eine Hollywood-Ikone, Schauspielerin, Sängerin, portraitiert von Salvator Dali, prägte dieses Bonmot, als es mit ihrer Karriere und ihrem Leben im Alter bergab ging: „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Jeder möchte lang leben, aber keiner alt werden, feixten bereits die Schriftsteller und Satiriker Jonathan Swift und Johann Nestroy. Alzheimer, Demenz, Parkinson, Schlaganfall gepaart mit Unbeweglichkeit und Einsamkeit, sind die Schreckgespenster, die jedem drohen und den Weg ins Altersheim bahnen – die letzte Station des modernen Lebens. Und noch etwas lässt sich sagen: Altern im Altersheim ist überwiegend weiblich. Dies zeigen die Fotografien von Hans Lachmann. >> Diashow Weiterlesen

Hans und Lotte Josten: Gründer des Rheinischen Pfarrfrauendienstes

Freizeit des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, ca. 1958, eingekreist: Pfarrer Hans Josten und Ehefrau Lotte Josten, aus Bestand: AEKR, 5WV 016 (Rheinischer Pfarrfrauendienst), Nr. 29

Im Sommer 2016 wurde hier bereits über die Neuverzeichnung zweier Bestände zur Geschichte des Rheinischen Pfarrfrauendienstes berichtet.

Diesem Thema widmet sich nun einen neue Vitrinenausstellung des Archivs der EKiR im oberen Foyer des Landeskirchenamtes. Neben der Geschichte des Rheinischen Pfarrfrauen im Allgemeinen stellt die Ausstellung auch zwei der sicherlich wichtigsten und richtungsweisensten Protagonisten des Pfarrfrauendienstes vor: Das Ehepaar Hans und Lotte Josten. Weiterlesen

Rätselhafte Handzeichnungen in einem Büchlein

Rätselhafte Handzeichnung im Pfarr-Gefälle Büchlein von 1647, eingebunden mit einer Urkunde, vermutlich ehemalige Wolfer Kloster, aus Bestand: AEKR 4KG 110B (Kirchengemeinde Enkirch),

In dem Bestand 4KG 110B der Evangelischen Kirchengemeinde Enkirch, der in der Archivstelle Boppard neu zugegangen ist und derzeit bearbeitet wird, findet sich ein Pfarr-Gefälle Büchlein von 1647. Es ist mit einer Urkunde eingebunden, die vermutlich aus dem Bestand des ehemaligen Wolfer Kloster stammt.

Beschreibung der Zeichnung: Oben links steht der Schriftzug eines Namens, man kann gut lesen Andreas Tr…..(Rest nicht eindeutig zu entziffern, ich bitte um Hilfe).
Im oberen Teil des Blattes finden sich Notenlinien mit Buchstaben und Noten. Darunter ist ein „Kopfähnliches Symbol“  (Totenkopf) gemalt, dessen Bedeutung ich noch nicht erkennen konnte. Weshalb ich auch hier um Hilfe bitte.

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