Trotz Notzeiten und Papierknappheit: An die Einführung von Pfarrer Heiermann in Lennep am 3. Advent 1946 erinnert eine gedruckte Predigt

Erinnerung an die Einführung von Pastor Heiermann aus Dortmund , 3. Advent 1946 ; Ansprache am 15. Dezember 1946; aus Bestand: AEKR Düsseldorf Archivbibliothek Bec 2700

AEKR Düsseldorf Archivbibliothek Bec 2700

Auf der Suche nach einem Adventsthema für unseren Blog stieß ich im Katalog der Archivbibliothek auf die gedruckte Einführungspredigt des Pfarrers Bernhard Heiermann vom 3. Advent (15.12.) 1946. Das ist genau 70 Jahre her und ich war erstaunt, dass in dieser Zeit des alltäglichen Mangels und der Not das Papier vorhanden war, um dieses Heft „Zur freundlichen Erinnerung an die Einführung“ zu drucken. Den Auftrag führte die J.F. Ziegler’sche Buchdruckerei in Remscheid im Januar 1947 aus. Das Exemplar gelangte aus dem Besitz des früheren Präses Joachim Beckmann in den Bestand der Archivbibliothek. Das stark holzhaltige, grobe Papier ist stark gebräunt und brüchig. Das Titelblatt ziert ein Foto des Kirchturms der alten evangelischen Stadtkirche in Lennep. Weiterlesen

Die Quellen schweigen zum Tod der Tochter Maria („Mulla“) des Düsseldorfer Pfarrers Samuel Keller

Hier soll von einem Beispiel dafür berichtet werden, dass sich Berichte in autobiographischen Darstellungen nicht immer in den Quellen wiederfinden: Von 1892 bis 1898 amtierte in der fünften Pfarrstelle der Evangelischen Gemeinde Düsseldorf Pfarrer Samuel Keller. Er wurde 1856 in St. Petersburg als Sohn eines aus der Schweiz zugewanderten Waisenhausvaters und Lehrers geboren.

Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Keller, Samuel, Pfarrer in Düsseldorf; aus Bestand: AEKR Bibliothek BK3005

Seine ersten Pfarrstellen hatte Samuel Keller in Grunau (Russland, 1880-1884) und Neusatz auf der Krim (1884-1891) inne, wo er die deutschen Kolonisten als Seelsorger betreute. Da seine Arbeit „eine ungewöhnlich dichte Frucht“ brachte, „wurde er ‚oben‘ unliebsam, und wenn er nicht ostwärts, d.h., nach Sibirien, verschwinden wollte, mußte er sich westwärts wenden.“, so Oskar Brüssau, S. 37.

Samuel Keller und seiner Frau Elisabeth Wilhelmine geb. Clever wurden vier Kinder geboren, Hans (1881), Margarete („Grete“, 1882), Maria („Mulla“, 1884) und als Nachzüglerin in Düsseldorf Elisabeth („Lia“, 1897). Keller erwähnt diese in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben„, die in zwei Bänden 1917 und 1922 erschien. Drei der Kinder sind auch in „Wer ist’s„, V. Ausgabe 1911, auf Seite 708 aufgeführt. Maria fehlt – und damit sind wir beim Kern dieses Beitrages. Weiterlesen

Der eloquente Dr. Grünagel

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen: v.l.n.r.: Zehn - Bruch - Müller - Staudte - Grünagel. ca. 1933/1934?

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen:
v.l.n.r.: Zehn – Bruch – Müller – Staudte – Grünagel.
um 1933

Damit hatte die Kirchen-leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht gerechnet: „Nun gesellen Sie sich“, so schrieb Präses Heinrich Held im Dezember 1949 an Oberkirchenrat Oskar Söhngen in Berlin-Charlottenburg, „auch noch zu den Vielen, die für Dr. Grünagel eintreten, und mein Aktenstück wird immer stärker.“ Für den ehemaligen Aachener Pfarrer Friedrich Grünagel verwendeten sich zahlreiche, teilweise prominente Persönlichkeiten: Neben Oberkirchenrat Söhngen Professor Emil Weber, Superintendent Paul Staudte, Emmi Welter, Vorsitzende der rheinischen Frauenhilfe und Mitglied des Deutschen Bundestags, Eugen Gerstenmaier, Leiter des Evangelischen Hilfswerks und späterer Bundestagspräsident, Kirchenpräsident Hans Stempel, Kirchenpräsident Martin Niemöller, Landesbischof Julius Bender u.a.. Die rheinische Kirchenleitung um Präses Heinrich Held geriet zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Weiterlesen

Eine Orgie an Ausrufezeichen: Das Danklied der Evangelischen zu Aachen an Kaiser Napoleon aus dem Jahr 1804

Danklied bey der Thronbesteigung seiner Majestät des Kaisers Napoléon.

Danklied bey der Thronbesteigung seiner Majestät des Kaisers Napoléon.

Beide christlichen Konfessionen haben in ihrer Geschichte stets gern die Nähe zu den politisch Mächtigen ihrer Zeit gesucht. Vor gut 200 Jahren hatte die evangelische Minderheit in Aachen auch allen Grund, dem frisch etablierten Kaisertum Napoleon Bonapartes zu huldigen. Dies belegt ein aktueller Fund im Archiv der EKiR.

Am 29. Juli 1804 erscholl in der Aachener St. Anna-Kirche die Melodie von Martin Luthers Lied „Herr Gott, dich loben wir“, seine Umsetzung des „Te Deum laudamus“ ins Deutsche von 1529. Der Text war freilich ersetzt worden durch einen Dankeshymnus auf den gerade berufenen Kaiser. Darin heißt es z. B. in der zweiten Strophe:

Aufs lieblichste fiel unser Los!
Wir ruhn in eines Kaisers Schoß,
Der unser Freund und Vater ist,
Weil du sein Gott und Vater bist!
Ach, laß ihn leben, leben, Gott!
Der Enkel erst seh seinen Tod!
Noch lange sey Gerechtigkeit
Sein Thun! noch lange Menschlichkeit!
Erhalt in deiner Weisheit ihn!
Zu deiner Hülfe laß ihn fliehn,
Wenn er sie fühlt der Herrschaft Last,
Mit der du ihn begnadigt hast!
Einst leucht´er (dort belohnst du ganz)
In einer bessern Krone Glanz!
Wie schmal, wie steil sein Weg auch sey,
Bleib er dir, Oberherrscher, treu!
Er habe, Gott, er habe Theil
Im Himmel einst am ewgen Heil! Weiterlesen

Interessante Überlieferung zu einer Konfirmation im Jahr 1908

Von dem Düsseldorfer Pfarrer und Superintendenten i.R. Helmut Ackermann (über ihn) hat das Landeskirchliche Archiv eine Anzahl älterer Gesangbücher übernommen. Diese Sammlung erstreckte sich über das Rheinland hinaus. Eines dieser Gesangbücher enthält interessante Dokumente zur Geschichte einer Konfirmation im Jahr 1908: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902, verlegt in Wolfenbüttel bei Julius Zwißler.

Das zweite Vorsatzblatt enthält die folgende Widmung:

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Rudolf Studte
ist am weißen Sonntag 1908 (den 26. April)
in der Katharinenkirche zu Braunschweig
konfirmiert.
Text der Konfirmationsrede:
Hebr. 10.39.
Wir aber sind nicht von denen, die da
weichen!
Braunschweig, den 27. April 1908
Stock, Pastor.

Die hier erwähnte Konfirmationsrede hat Pastor Stock drucken lassen:
„Fest und treu!“ Konfirmationsrede gehalten am Weissen Sonntag (26. April) 1908 in der St. Katharinenkirche zu Braunschweig von Pastor A. Stock über Hebr. 10, 39. Braunschweig: Verlag von Johannes Neumeyer 1908, 10 Seiten

Möglicherweise hat jede(r) Konfirmierte den Druck anschließend erhalten. Jedenfalls hat Rudolf Studte die Predigt besessen und in sein Konfirmationsgesangbuch eingelegt. Es handelt sich übrigens um ein sehr schönes Gesangbuch mit einem in Jugendstilornamenten geprägten Pappeinband; die goldene Inschrift auf dem vorderen Deckel „Befiehl dem Herrn deine Wege“ und der Goldschnitt vervollständigen die Ausstattung.

Eine weitere Beilage verrät, wie das Gesangbuch aus Braunschweig nach Düsseldorf gelangte: Weiterlesen

Neue Findbücher zur Geschichte des Rheinischen Pfarrfrauendienstes online

Auszug aus dem Gästebuch des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, auf dem Foto in der Mitte Pfarrer Hans Josten, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 5WV 016 (Rheinischer Pfarrfrauendienst), Nr. 29

Auszug aus dem Gästebuch des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, auf dem Foto in der Mitte Pfarrer Hans Josten, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 5WV 016 (Rheinischer Pfarrfrauendienst), Nr. 29

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Frauenordination in der Evangelischen Kirche im Rheinland ist die Rolle der Frau innerhalb der Kirche in den letzten Jahren stark in den Fokus der Forschung gerückt. Hierbei standen meist die theologisch ausgebildeten Frauen im Mittelpunkt des Interesses.  Die vorliegenden Bestände nehmen eine Personengruppe in den Blick, der bisher wenig Beachtung geschenkt worden ist: Die Ehefrau des Pfarrers.
Die Akten ergänzen die kirchliche Frauenforschung um eine weitere Facette.

Es handelt sich zum einen um die Handakten des Pfarrers Hans Josten (1883-1964), seit 1935 zunächst im Nebenamt, ab 1949 hauptamtlich zuständig für die Seelsorge an den Pfarrfrauen (6HA 029).
Zum anderen um den Bestand des Rheinischen Pfarrfrauendienstes (5WV 016, übrigens nicht zu verwechseln mit dem Pfarrfrauenbund!). Der setzt sich hauptsächlich aus den Akten der jeweiligen Vorsitzenden seit den 1960er Jahren zusammen und reicht bis in das Jahr 1999.
Mit den beiden Beständen ist die Geschichte des Pfarrfrauendienstes, bis auf das letzte Jahrzehnt, relativ vollständig überliefert und kann online recherchiert werden! Weiterlesen

Ein Brief des Theologen Karl Barth vom 16. August 1945

Jahrestagung Wuppertal 1956 am Mikrofon Karl Barth (10.05.1886-10.12.1968) Professor für systematische Theologie, Theologische Fakultät der Universität Bonn (1930-1935), Universität Basel (1935-1962), Gesellschaft für Ev. Theologie , Foto: Hans Lachmann, Abgabe: Heinz Joachim Held 05/2006, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 80020_08

Jahrestagung Wuppertal 1956 am Mikrofon Karl Barth, Foto: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 80020_08

Die berufliche Tätigkeit der tüchtigen Rendantin Katharina Seifert für die Rheinische Kirche ist kürzlich hier im Blog vorgestellt worden. Im August 1945 erhielt sie im kriegszerstörten Düsseldorf Post aus der Schweiz. Der berühmte Theologe Karl Barth (1886-1968), mit dem sie seit 1930 bekannt war, hatte ihr einen langen Brief geschrieben, in dem er auf die kirchenpolitische Situation im Rheinland und in Deutschland kurz nach Kriegsende eingeht. Der bislang unpublizierte Brief fand sich im Nachlass von Prof. Jürgen Fangmeier, einem Schüler Karl Barths und Mitarbeiter an der Barth-Gesamtausgabe. Weiterlesen

Ein Buch aus dem Vorbesitz des Adelbert von Chamisso in der Archivbibliothek

Viele Bücher in unserer Archivbibliothek tragen Vermerke über ihre Vorbesitzer in sich: handschriftliche Einträge, Exlibris oder Stempel. Wir hatten bereits einmal über ein aus Frankreich stammendes Buch berichtet . In unserer Bibliothek stammen naturgemäß viele Titel aus Nachlässen früherer Pfarrer unserer Landeskirche. Die Namen sind meist nicht erfasst. So habe ich auch zufällig festgestellt, dass wir ein Buch aus dem Vorbesitz des Naturforschers und Dichters Adelbert von Chamisso im Bestand haben.

Theosophia Revelata : Das ist Alle Göttliche Schriften des Gottseligen und Hocherleuchteten Deutschen Theosophi Jacob Böhmens, Gedruckt im Jahre der Verkündigung 1715, Besitz Adelbert von Chamisso (Autograph); aus Bestand: AEKR Düsseldorf Bibliothek Goe 6867,1

Theosophia Revelata : Das ist Alle Göttliche Schriften des Gottseligen und Hocherleuchteten Deutschen Theosophi Jacob Böhmens, Gedruckt im Jahre der Verkündigung 1715, Besitz Adelbert von Chamisso (Autograph); aus Bestand: AEKR Düsseldorf Bibliothek Goe 6867,1

Adelbert von Chamisso  wurde 1781 in Frankreich als Sohn eines verarmten Grafen geboren; die Familie verließ 1792 Frankreich auf der Flucht vor der Revolution und ließ sich 1796 in Berlin nieder. In die etwa zehnjährige Dienstzeit in der preußischen Armee bis 1806/07 fallen Chamissos Studien der Philosophie und der deutschen Literatur und seine  Anfänge als Dichter; Weltruhm erlangte er durch die Veröffentlichung von „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ 1814. Bei einem Aufenthalt in der Schweiz um 1812 fand er Interesse an der Naturwissenschaft, vor allem der Botanik. Er nahm an naturwissenschaftlichen Exkursionen teil und wurde 1819 Kustos am Königlichen Herbarium in Berlin und 1835 ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Chamisso starb am 21.08.1838 in Berlin.

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Zwei Deutsche auf dem Bahnhof von Aleppo 1915

Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke, dahinter Konsul Walter Rößler; aus Bestand: AEKR Düsseldorf 7 NL002 (Nachlass OKR Helmut Rößler), 14 - Album 7

Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke, dahinter Konsul Walter Rößler; aus Bestand: AEKR Düsseldorf 7 NL002 (Nachlass OKR Helmut Rößler), 14 – Album 7

Dieser aktuelle Fund aus unseren historischen Fotobeständen zeigt einen Herrn mit zeittypischem Panama-Hut und einen Offizier in türkischer Uniform, der sich mit Blumen im Arm zur Weiterfahrt anschickt. Ersterer ist der deutsche Konsul Walter Rößler (1871-1929), Vater des späteren rheinischen Oberkirchenrates Helmut Rößler. Aus seinen Fotoalben stammt die Aufnahme. Wer aber war jener in der Bildunterschrift genannte „v. Mücke“, den er damals in der mittlerweile vom Bürgerkrieg so schwer heimgesuchten nordsyrischen Stadt verabschiedete? Weiterlesen

Vorgestellt: Jutta Müller-Zantop, die Zeichnerin von Kirchensiegeln

Ein Selbstportrait von Jutta Müller-Zantop

Ein Selbstportrait von Jutta Müller-Zantop

Jutta Müller-Zantop

Jutta Müller-Zantop heute

Jutta Müller-Zantop hat seit den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts für die rheinischen Kirchengemeinden zahlreiche Kirchensiegel gestaltet. Ihre Spezialität ist es, neue Siegelbilder nach alten Siegelbildern der Kirchengemeinde zu gestalten. Dabei arbeitet sie die Geschichte, die das alte Siegelbild zeigt, in einer prägnanten und stilisierten Zeichnung heraus.

Mir gefällt an ihrer Arbeit besonders, dass Jutta Müller-Zantop ­das Siegelbild aus kunst- und kulturhistorischer Sicht beschreibt. Sie recherchiert beispielsweise, wie ein Symbol in der Kunstgeschichte gedeutet wird und wie die Symbole früher gezeichnet wurden. Dies ist in den Siegelakten der rheinischen Landeskirche nachzulesen.

Der Katalog „Kirchliche Siegel 1961-1999“, den Frau Müller-Zantop für die Ausstellung Mai 1999 in der St. Petri-Pauli-Kirchengemeinde in Soest erstellte, ist bis heute eine anschauliche Zusammenstellung zum Kirchlichen Siegelwesen.

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