Neuerscheinung: “Düsseldorfer Erinnerungsorte”

Was haben die Königsallee, Heinrich Heine, Fortuna Düsseldorf und das Kom(m)ödchen gemein? Sie können Menschen als identitätsstiftende Erinnerungsorte (“lieux de mémoire”) dienen, ganz so wie es das anregende Konzept des französischen Historikers Pierre Nora in den 1980er Jahren entwickelt hat. Über 120 solcher Orte, Personen oder Ereignisse bündelt ein neues Buch, das von Benedikt Mauer (Stadtarchiv) und Enno Stahl (Heine-Institut) herausgegeben worden ist.

Der Abschnitt “Evangelisch sein in Düsseldorf” thematisiert dabei neben den üblichen Verdächtigen wie der Neander- und der Johanneskirche auch Unbekannteres, so das Pfarrhaus von Joachim Beckmann im Stadtteil Bilk. Zum evangelischen Markenkern Düsseldorfs gehört selbstverständlich auch das Diakonissenmutterhaus in Kaiserswerth.

Das reich bebilderte Buch ist im Klartext Verlag Essen erschienen und ab sofort zum Preis von 19,90 Euro im Handel zu erwerben.

“Papisten, Ketzer und Häretiker…” Religion im Rheinland des 16. Jahrhunderts

Schon einmal etwas von den Melchioriten, den Davidsjüngern oder den Familisten im Haus der Liebe gehört? Diese Gruppierungen gehörten alle zur religiösen Realität der frühen Neuzeit ebenso wie die bekannteren Täufer und Spiritualisten.

Ketzer und Häretiker sind bekanntlich immer die anderen, oder, sehr frei nach dem Diktum von Sartre: L´enfer, c´est les autres (Die Hölle, das sind die anderen). Ein Vortrag (PDF-155KB) in Duisburg – daher die gelegentlichen lokalen Akzente –  stellt diese zumeist brutal unterdrückten Netzwerke vor, die abseits des konfessionellen Mainstreams von Katholiken, Lutheranern und Reformierten existierten. Einige Illustrationen dazu finden Sie hier:

Zwischen Serviceorientierung und Schutz der Archivalien: Fortbildungsveranstaltung zur archivischen Nutzung

Die Hauptfunktion von Archiven sollte es bekanntlich sein, gut erschlossene Bestände der Öffentlichkeit über verschiedene Benutzungswege zugänglich zu machen. Hierbei gilt es die rechte “via media” zwischen Serviceorientierung, konservatorischen Aspekten und rechtlichen Vorgaben einzuschlagen. Speziell bei Kirchenarchiven spielt dabei quantitativ die Nutzung von Kirchenbüchern die größte Rolle.

Hierzu bietet das Archiv der EKiR in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland am 9. November 2017 eine Fortbildungsveranstaltung in Brauweiler an. Im Blick stehen vor allem die vielen kleinen ehrenamtlich betreuten Archive der rheinischen Kirchengemeinden. Den Programmflyer zur Tagung finden Sie hier, die Online-Anmeldung erfolgt über die Seite des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums.

Das Kreuz mit der deutschen Kurrentschrift (Teil II)

Vor knapp zwei Jahren haben wir hier über die ersten Versuche einer automatisierten Erkennung älterer Handschriften berichtet. Hierzu wurde das Tool Transkribus entwickelt. Nun wird zur ersten Transkribus User Conference eingeladen, die am 2.-3. November 2017 in Wien stattfinden wird. Die Tagung wird ausgerichtet von der EU-Initiative READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents). Im Mittelpunkt steht das Feedback der Testnutzer der Software:

“The event will shed light on the latest technological advances in the fields of Automated Text Recognition, Layout Analysis, Writer Identification, Keyword Searching and Information Extraction.  It will also provide many opportunities for users to give feedback to Transkribus developers and ask questions about how automated processing can work on their documents.”

Es ist gut vorstellbar, dass in vielleicht zehn Jahren die Entzifferung und Transkription handschriftlicher Dokumente des 16.-20. Jahrhunderts wie selbstverständlich über solche Tools laufen wird.

HistoriaApp für Düsseldorf

Studierende der Heinrich-Heine-Universität präsentieren am 11. Juli die von ihnen neu entwickelte HistoriaApp (Ort und Zeit). Damit kann jeder mit seinem Smartphone auf Spurensuche in Düsseldorf gehen und verschiedene Orte und ihre Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus entdecken.

Die App für Android (eine Version für iOS soll folgen) wartet mit über 10 Touren im Düsseldorfer Stadtgebiet auf und wurde in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte und dem Stadtarchiv Düsseldorf entwickelt. Einige Fotos stammen auch aus unserem Bildarchiv. Die App steht ab dem 11. Juli zum Download im Playstore bereit.

Nach der Präsentation machen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit den Entwicklern den Praxistest und begeben sich zu einzelnen Mapstops in der Innenstadt, bevor der Abend in der Mahn- und Gedenkstätte ausklingt

26. Tagung der Süddeutschen Kirchenarchive am 19./20. Juni 2017 in Speyer

Teilnehmer der 26. Tagung der Süddeutschen Kirchenarchive am 19./20. Juni 2017 in Speyer

Die 26.Tagung der Süddeutschen Kirchenarchive fand am 19./20. Juni 2017 im Gebäude des Landeskirchenrats der Pfälzischen Landeskirche in Speyer statt. Zur Begrüßung sprach der stellvertretende Kirchenpräsident, Oberkirchenrat Dr. Michael Gärtner, einige einleitenden Worte.

Die Tagung unter der Leitung von Dr. Gabriele Stüber aus dem Zentralarchiv der Ev. Kirche der Pfalz in Speyer selbst begann mit dem Thema „Brauchen wir neue Wege in der Archivpflege“. Dazu stellten Dr. Andrea Schwarz aus dem Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Bayern, Nürnberg, Jutta Seif aus Eberbach, einer Außenstelle des Erzbischöflichen Archivs Freiburg und Marco Kramer aus dem Landeskirchenarchiv der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens in Dresden die Situation in ihren Landeskirchen bzw. in ihrer Diözese und die jeweiligen Probleme dort dar.  Weiterlesen

Evangelisches Leben in der mittelrheinischen Diaspora

Im Rahmen der von der Stadt Koblenz, dem evangelischen Gemeindeverband Koblenz und dem Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland veranstalteten Vortragsreihe “Evangelisches Leben an Rhein und Mosel” hält Dr. Andreas Metzing, der Leiter der Evangelischen Archivstelle Boppard, am 26. Juni 2017 im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz einen Vortrag zu den Anfängen des evangelischen Lebens in Koblenz im 18. und 19. Jahrhundert.

 

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Aktuelle Ausstellungen im Rheinland anlässlich des Reformationsjubiläums, oder: Das Ringen um den rechten Glauben

Unter letzterem Titel eröffnet jetzt am 3. Juni 2017 in Aachen das Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum eine umfangreiche Geschichtsschau zum konfessionellen Mit- und Gegeneinander im Aachener Raum. Auch zu dieser Ausstellung konnte unser Archiv einige überraschende Exponate beisteuern. Oder wussten Sie, dass Pfarrer Georg Ulrich Wenning 1648 bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Osnabrück zugegen war und seine umfänglichen diplomatischen Korrespondenzen mittels elaborierter Verschlüsselungscodes chiffrierte?

Die rheinischen Museen, aber auch Archive und Geschichtsvereine, haben seit April eine Reihe sehenswerter Ausstellungen zum Reformationsgeschehen eröffnet. Dem schwierigen Thema religiöser Toleranz nähern sie sich dabei von ganz unterschiedlicher Warte. Ein kurzer Überblick zu den Orten und Terminen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Weiterlesen

Tipp: sehenswerte Ausstellung “Der geteilte Himmel” in Essen

Seit Montag den 3. April 2017 ist sie nun bereits schon eröffnet – die Sonderausstellung „Der geteilte Himmel“ des Ruhr Museums auf Zollverein in Essen. Die Ausstellung beleuchtet, laut Museumsdirektor Heinrich Theodor Grütter (Video WDR Lokalzeit Ruhr), das interkonfessionelle Leben von über 250 verschiedenen Religionsgemeinschaften im Ruhrgebiet. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Themen “Frömmigkeit”, “Heilige Schriften”, “Lebenssituationen”, “Tod und Jenseits” oder “Propaganda und Toleranz”.

Gerhard Tersteegen Blubrief 1724 – Meinem Jesu, Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 80040_03

Gezeigt werden erstmals über 800 kulturhistorische Exponate aus Museen, Kirchen, Bibliotheken und Archiven. Darunter befinden sich, neben dem Blutbrief Gerhard Tersteegens (1724), auch 13 weitere Quellen aus den Beständen des Landeskirchlichen Archivs in Düsseldorf.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 31. Oktober 2017
weitere Informationen zur Ausstellung

Erstes Barcamp im deutschen Archivwesen

“Vier biblische Evangelien, vier edle Wahrheiten Buddhas, vier Fäuste für ein Halleluja – und nun auch vier Tagungen ´Offene Archive´ .” So kreativ wird die vierte Tagung “Offene Archive” beworben, die am 19.-20. Juni 2017 im Landesarchiv Duisburg stattfinden wird. Erstmals ist sie mit einem Barcamp verbunden, also offenen Workshops mit oft anregender Eigendynamik.

Um wiederum das Orga-Team zu zitieren: “Wer immer schon gute Gedanken zum Archiv und seinen Aufgaben im digitalen Zeitalter hatte, sie aber nie zu äußern wagte, ist hier genau richtig.”

Das abwechslungsreiche Programm und alle weiteren Informationen finden Sie hier. Mitveranstalter ist der neugegründete Arbeitskreis “Offene Archive”.