Über Dr. Stefan Flesch

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Der Zeitschriftenbeobachtungsdienst der Evangelischen Kirche im Rheinland: Kein Ruhmesblatt der Pressegeschichte

Der rasch expandierende Zeitschriftenmarkt der Fünfzigerjahre veranlasste die rheinische Kirchenleitung 1956 zur Gründung eines eigenen Zeitschriftenbeobachtungsdienstes. Argumentiert wurde mit dem Wächterdienst von Kirche, der ihrem Öffentlichkeitsauftrag entspringe. „In Sorge über den Tiefstand“ der Illustrierten und der Wochenendpresse sollten fortan ca. 30 ehrenamtliche Mitarbeitende die Zeitschriften regelmäßig bewerten. Die Beurteilungsergebnisse, die von „tragbar“ bis „für alle abzulehnen“ reichten, konnten von Pfarrern und kirchlichen Dienststellen bezogen werden.

Verkauf verschiedener Zeitungen am Kiosk, aus Bestand: 8SL 071 (Fotosammlung Lachmann), Schachtel Zeitungen;

Zum Geschäftsführer wurde Friedrich Wilhelm Nerlich (1902-1974) berufen. Dieser Personalentscheidung kann man zumindest die Originalität nicht absprechen, hatte doch der damalige Pastor Nerlich schon seit 1930 als rühriger Amtswalter z.b.V. (konkret: Blockwart) der NSDAP in Wetzlar gewirkt. Eine weitere Parteifunktion bildete die Leitung des Sozialamtes eines Unterbanns der HJ. Die Rechte des geistlichen Standes hatte er freilich 1935 verloren, als er wegen Sittlichkeitsdelikten gegenüber Jugendlichen zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt worden war. Weiterlesen

Kirchenordnungen: Eine unendliche Reformdebatte

Karte ohne Pins, Josef Niessen, Geschichtlicher Handatlas der deutschen Länder am Rhein. Mittel- und Niederrhein, Köln 1950, S. 20,Archivbibliothek LR1/211

Kirchenordnungen bilden seit dem 16. Jahrhundert so etwas wie die Verfassungstexte evangelischer Landeskirchen.

Anlässlich einer Fachtagung in Emden zur möglichen Reform der rheinischen Kirchenordnung skizzierte dieser Vortrag (PDF) die große Vielfalt an lutherischen, reformierten und reformkatholischen Kirchenordnungen, die im Gebiet des Rheinlandes teilweise bis zur französischen Zeit in Geltung standen.

Immer wieder -und bis in die Gegenwart- wechselten dabei Phasen detailverliebter Einzelregelungen mit Versuchen einer Verschlankung und Konzentration auf das Wesentliche ab. So widmete sich die immerhin 360 Seiten starke Kirchenordnung der Wild- und Rheingrafschaft von 1693 mit Inbrunst der genauen Speisenfolge, wie sie bei der auf 12-14 Uhr angesetzten Mittagspause während der Pfarrerkonvente gehandhabt werden sollte: …  Weiterlesen

Katholische Reformationen: Eine Tagung in Aachen

Am 17.-18. Februar 2018 veranstalten das Institut für Katholische Theologie der RWTH Aachen und die dortige Bischöfliche Akademie eine wissenschaftliche Tagung unter dem Titel „Katholische Reformationen“. Warum der Hinweis darauf in einem „evangelischen“ Blog? Nun, weil es bei den Themen um die Lebenswirklichkeit in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts geht. Nachträgliche Etikettierungen helfen nicht weiter beim Verständnis dafür, wie umfassend damals der Wunsch nach Reformen in der Kirche war. Die regionalen Schwerpunkte liegen dabei auf Sachsen und dem Rheinland.

Alle Informationen zur Tagung sowie den Flyer mit dem vollständigen Programm finden Sie hier. Anstelle des hier noch angegebenen Vortrages von Dieter Weiß wird Götz-Rüdiger Tewes sprechen über „Reform(ation)en und Luthergegnerschaft in Köln“.

Tagungshinweis: Kritik der digitalen Vernunft

Schon einmal etwas von Modellathons und Poster Slams gehört oder geschweige denn teilgenommen? Der Verband DHd – „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ veranstaltet vom 26. Februar bis zum 2. März 2018 seine fünfte Jahrestagung unter dem Titel „Kritik der digitalen Vernunft“. Tagungsort ist die Universität Köln, alle Informationen findet man hier.

Das ungemein facettenreiche Programm bietet Workshops und weitere innovative Tagungsformate zu allen Themengebieten der digitalen Geisteswissenschaften. Aus archivischer Sicht hervorzuheben sind die Veranstaltungen zur automatischen Texterkennung mit Transkribus, zu digitalen Editionen, zur Nutzung von Wikidata sowie zu kollaborativen Erschließungsprojekten.

„Papisten, Ketzer und Häretiker…“ Religion im Rheinland des 16. Jahrhunderts

Schon einmal etwas von den Melchioriten, den Davidsjüngern oder den Familisten im Haus der Liebe gehört? Diese Gruppierungen gehörten alle zur religiösen Realität der frühen Neuzeit ebenso wie die bekannteren Täufer und Spiritualisten.

Ketzer und Häretiker sind bekanntlich immer die anderen, oder, sehr frei nach dem Diktum von Sartre: L´enfer, c´est les autres (Die Hölle, das sind die anderen). Ein Vortrag (PDF-155KB) in Duisburg – daher die gelegentlichen lokalen Akzente –  stellt diese zumeist brutal unterdrückten Netzwerke vor, die abseits des konfessionellen Mainstreams von Katholiken, Lutheranern und Reformierten existierten. Einige Illustrationen dazu finden Sie hier:

Der Weseler Konvent 1568: Schlüsseldatum rheinischer Kirchengeschichte oder Fake-Event?

Spätestens seit seiner 300-Jahr-Feier 1868 gilt der sogenannte Weseler Konvent vom    3. November 1568 gewissermaßen als grundlegende Weichenstellung für die reformierte Kirche in Nordwesteuropa: Damals hätten die dort anwesenden 43 Vertreter niederländischer Flüchtlingsgemeinden erstmals Artikel für eine presbyterial-synodale Kirchenverfassung formuliert.

Der amerikanische Historiker Jesse Spohnholz hat nun hierzu vor einigen Wochen eine 280 Seiten starke Monografie publiziert: „The Convent of Wesel. The Event that never was or The Invention of Tradition“. Dort legt er m. E. überzeugend dar, dass dieser Konvent nie stattgefunden hat. Weiterlesen

Das Reformationsjubiläum 1917 in Weltkriegsblogs

Schier unaufhaltsam dräut das 500-jährige Reformationsjubiläum kommenden Dienstag heran. Das seit über drei Jahren mit Erfolg betriebene Gemeinschaftsblog „1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch“ ruft nun die beteiligten Archive dazu auf, die Präsenz der entsprechenden Feiern am 31. Oktober 1917 in den Blick zu nehmen: Welche Schichten der zunehmend kriegsmüden Bevölkerung wurden überhaupt erreicht, wie und worüber wurde berichtet? Die entsprechenden Quellenzeugnisse sollen bis zum 11.11.2017 veröffentlicht werden.

Den Aufruf sowie ein Beispiel aus dem gutsituierten bürgerlichen Düsseldorf finden Sie bei den Kollegen von augias.net.

Zwischen Serviceorientierung und Schutz der Archivalien: Fortbildungsveranstaltung zur archivischen Nutzung

Die Hauptfunktion von Archiven sollte es bekanntlich sein, gut erschlossene Bestände der Öffentlichkeit über verschiedene Benutzungswege zugänglich zu machen. Hierbei gilt es die rechte „via media“ zwischen Serviceorientierung, konservatorischen Aspekten und rechtlichen Vorgaben einzuschlagen. Speziell bei Kirchenarchiven spielt dabei quantitativ die Nutzung von Kirchenbüchern die größte Rolle.

Hierzu bietet das Archiv der EKiR in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland am 9. November 2017 eine Fortbildungsveranstaltung in Brauweiler an. Im Blick stehen vor allem die vielen kleinen ehrenamtlich betreuten Archive der rheinischen Kirchengemeinden. Den Programmflyer zur Tagung finden Sie hier, die Online-Anmeldung erfolgt über die Seite des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums.

Das Kreuz mit der deutschen Kurrentschrift (Teil II)

Vor knapp zwei Jahren haben wir hier über die ersten Versuche einer automatisierten Erkennung älterer Handschriften berichtet. Hierzu wurde das Tool Transkribus entwickelt. Nun wird zur ersten Transkribus User Conference eingeladen, die am 2.-3. November 2017 in Wien stattfinden wird. Die Tagung wird ausgerichtet von der EU-Initiative READ (Recognition and Enrichment of Archival Documents). Im Mittelpunkt steht das Feedback der Testnutzer der Software:

„The event will shed light on the latest technological advances in the fields of Automated Text Recognition, Layout Analysis, Writer Identification, Keyword Searching and Information Extraction.  It will also provide many opportunities for users to give feedback to Transkribus developers and ask questions about how automated processing can work on their documents.“

Es ist gut vorstellbar, dass in vielleicht zehn Jahren die Entzifferung und Transkription handschriftlicher Dokumente des 16.-20. Jahrhunderts wie selbstverständlich über solche Tools laufen wird.

Registratur von Präses Held (1948-1957) für Forschung neu erschlossen

© Markus Feger Düsseldorf / EKiR: Eröffnung des Wandportraits des ehemaligen Präeses Heinrich Held. Das Porträt von Held (1897 – 1957) vor dem Martin-Luther-Saal im Düsseldorfer Landeskirchenamt stammt von der Münchner Künstlerin Celina Szelejewska-Pigulla.

An seinem 120. Geburtstag wurde Heinrich Held, der erste Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, im Rahmen der Aktion „Kirchenköpfe“ mit einer künstlerisch ansprechenden Collage geehrt.

Pünktlich zum Jubiläum liegt nun auch das neue Findbuch zu den Handakten von Präses Held aus seiner Amtszeit vor. Der inhaltlich facettenreiche Bestand wurde bereits öfter für Themen der deutschen Nachkriegszeit herangezogen. Bislang lag nur eine knappe Erschließungsliste vor, was die Benutzung sehr erschwerte. Nunmehr können Themen wie die Saarabstimmung 1955, das Verhältnis der Kirche zu den politischen Parteien oder  die Kontroversen um die Wiederbewaffnung mit Hilfe detaillierter Enthältvermerke recherchiert werden.