Über Ruth Rockel-Boeddrig

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Plakatmission seit mehr als 100 Jahren: Die GOLDENEN WORTE

… und fast 300 Motive kann man bei uns einsehen.

Goldene Worte berühmter Männer, ca. 1928, 8SL 049 Plakatsammlung, Nr. 1739

Eine Besonderheit der neuen Verzeichnungsschicht der Plakatsammlung ist das große Konvolut der Plakatreihe GOLDENE WORTE, die seit 1912 im Verlag der Plakatmission Stuttgart erschien.
„Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle 14 Tage ein Plakat […] herzustellen mit einem Wort solcher Männer, die durch ihre Bedeutung auf Gehör rechnen können. Darunter werden immer auch Bibelworte verwendet. Wir möchten unseren Mitmenschen behilflich sein, den Frieden im Heil Gottes zu finden, besonders solchen, die sonst nicht mehr unter den Schall des Evangeliums kommen. Die Plakatmission ist ein Weg, auch sie zu erreichen “, beschrieb die Plakatmission selbst in einem Heftchen aus den 1960er Jahren ihren Auftrag.

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Das Findbuch zur Plakatsammlung ist jetzt online!

Die Verzeichnungsarbeiten an der Plakatsammlung der EKiR sind abgeschlossen. Im neuen Findbuch kann jetzt online recherchiert werden.
Es ist bereits die zweite Schicht von Plakaten, die jetzt erfasst worden ist.  Der erste Teil, bereits ca. 1300 Motive, wurde im Jahr 2012 verzeichnet.
Den Kern der Sammlung, insgesamt ca. 800 Stücke, bildete dabei die Sammlung des Düsseldorfer Grafikers Heinrich Brandt, der sie bereits in den 1980er Jahren an das landeskirchliche Archiv abgegeben hatte: Eine bunte Mischung aus selbst gestalteten und gesammelten Plakaten aus seinem beruflichen Umfeld. Ergänzt wird die Sammlung Brandts durch die eigene Sammlung des Archivs der EKiR.

Plakat für die Volkssammlung der Inneren Mission, ca. 1920, 8SL 049 (Plakatsammlung), Nr. 1222

2016 war es an der Zeit für eine nächste Verzeichnungsschicht. Weiterlesen

Gib an Weihnachten ohne Murren!

Plakat des Hilfswerk der Evangelischen Kirche mit Aufruf zum Weihnachtsopfer 1945, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 049 (Plakatsammlung), 1454

Plakat des Hilfswerk der Evangelischen Kirche mit Aufruf zum Weihnachtsopfer 1945, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 049 (Plakatsammlung), 1454

Die Sprache der frühen kirchlichen Plakate unterscheidet sich doch sehr von der heutigen… Auch heute finden an vielen Orten Sammlungen für Flüchtlinge statt. Heute werden die Spender allerdings eher umworben und durch Denkanstöße zum freiwilligen Geben motiviert. Dagegen wirkt der Aufruf zum Weihnachtsopfer des Hilfswerks der Evangelischen Kirche aus dem Jahr 1945 mit seinen deutlichen Worten eher wie der moralische Holzhammer. Ob ein solcher Aufruf heute noch Erfolg hätte?!

Ein schönes Zeitdokument!

Kirchensteuern damals und heute

Kirchensteuerkampagne, ca. 1920, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 049, 1337

Kirchensteuerkampagne, ca. 1920, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 049 (Plakatsammlung), 1337

Ich finde es oft besonders spannend, Quellen zu einem bestimmten Thema aus unterschiedlichen Zeiten zu vergleichen.

Bei den Verzeichnungsarbeiten an der Plakatsammlung finden sich immer wieder Beispiele dafür. Zuletzt zum Beispiel das Plakat der Kirchensteuerkampagne der EKiR aus dem Jahr 2014 als Gegenstück zum Merkblatt von ca. 1920. Der Aufbau als Frage-Antwort-Katalog ist bei beiden Exemplaren ähnlich. Und eigentlich haben sich auch die Anfragen an das System der Kirchensteuer innerhalb von beinah 100 Jahren kaum verändert….

Kirchensteuerkampagne, 2014, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 049 (Plakatsammlung), 1468;

Kirchensteuerkampagne, 2014, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 049 (Plakatsammlung), 1468;

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Archivpflege gestern und heute

aus: 4KG 005, 28

Aufruf des Königlichen Konsistoriums zur Ordnung der Gemeindearchive, 1842, aus: 4KG 005, 28

Erstaunlich aktuell und auf den Punkt wirkt dieser Aufruf des Königlichen Konsistoriums in Koblenz an die Superintendenten der Rheinprovinz aus dem Jahr 1842, der mir im Bestand der Ev. Gemeinde Düsseldorf in die Hände fiel:

Noch immer sind in vielen Pfarreien die Kirchen-Archive nicht gehörig geordnet und keine Inhaltsverzeichnisse derselben aufgestellt. Dieser Mangel erschwert nicht nur den Gebrauch der vorhandenen Akten und damit die zweckmäßige Verwaltung des Vermögens der Pfarreien, sondern hat auch, indem bald wichtige Aktenstücke, zumal während der Erledigung der Pfarrstellen, verloren gehen, bald aus Nichtkenntniß der vorhandenen Akten die Rechte der Kirchen, Pfarreien nicht aufrecht erhalten werden, für manche Gemeinde bedeutende Verluste zur Folge. Wir beauftragen daher im Einverständniß mit der königlichen Regierung Euer Hochwürden, diejenigen Pfarrer Ihrer Synode, deren Gemeinde noch kein gehörig geordnetes, mit einem Inhaltsverzeichnis versehenes Kirchenarchiv besitzt, anzuweisen, binnen zwölf Monaten sämmtliche Bücher und Schriften ihrer Pfarrgemeinde nach dem beiliegenden Plan zu ordnen und zu verzeichnen.[…] Weiterlesen

Ein Beispiel für die geglückte Integration des Hausmädchens in den Familienverband

Nachtrag zum Beitrag vom 25.8.2016

Garschagen_Dienstmädchen_bearb

Predigten von Emanuel Leberecht Garschagen, 1886-1888, aus: 7NL 142,14

Die Familie des rheinischen Pfarrers Emanuel Leberecht Garschagen (1831-1910) lebte von 1874 bis 1908 in Nimwegen, wo er in der Deutschen Lutherischen Gemeinde Dienst tat.

Die Predigten Garschagens aus diesen Jahren sind in mehreren Büchlein in ordentlicher Handschrift festgehalten.

Das Besondere daran ist in diesem Fall der mit Bleistift hinzugefügte Hinweis im Einband des Büchleins, den vermutlich Garschagen Sohn Lebrecht (geb. 1873) geschrieben hat: Weiterlesen

Ein Merkblatt für die Hausfrau für den Umgang mit Dienstmädchen

Änne Kaufmann Berufstätigenarbeit aus: 7NL084, 39

Merkblatt für die Hausfrau, 1950,
aus: 7NL084 Pastorin Änne Kaufmann, 39

1950 wagte sich der Sozialausschuss des Rheinischen Mädchenwerkes, dem auch Pastorin Änne Kaufmann angehörte, an eine Diagnose der Situation junger Arbeiterinnen. Eine der dabei untersuchten Berufsgruppen war die der Hausangestellten, weniger förmlich also der Dienst- oder Hausmädchen.

Dienstmädchen wohnten ständig im Haushalt ihres Arbeitgebers und verrichteten dort sämtliche hauswirtschaftlichen Arbeiten gegen Kost und Logis und einen kleinen Lohn. Seine eigentliche Blütezeit hatte das sog. Dienstbotenwesen bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebt, aber auch in den 1950er Jahren war es noch durchaus üblich.

Frau Oberin Hinsberg schilderte dem Ausschuss in ihrem Referat “Die besondere Lage der Hausangestellten”  das Dilemma dieses Berufsfelds: zahlreiche Stellen waren in diesem fast rein weiblichen Berufszweig unbesetzt, obwohl die Zahl der arbeitssuchenden Frauen in die Tausende ging. Viele Frauen wollten einfach nicht im Haushalt arbeiten.

Der kurzen Liste von Vorteilen des Berufs setzte Hinsberg eine lange Liste von Nachteilen entgegen. Weiterlesen

Neue Findbücher zur Geschichte des Rheinischen Pfarrfrauendienstes online

Auszug aus dem Gästebuch des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, auf dem Foto in der Mitte Pfarrer Hans Josten, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 5WV 016 (Rheinischer Pfarrfrauendienst), Nr. 29

Auszug aus dem Gästebuch des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, auf dem Foto in der Mitte Pfarrer Hans Josten, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 5WV 016 (Rheinischer Pfarrfrauendienst), Nr. 29

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Frauenordination in der Evangelischen Kirche im Rheinland ist die Rolle der Frau innerhalb der Kirche in den letzten Jahren stark in den Fokus der Forschung gerückt. Hierbei standen meist die theologisch ausgebildeten Frauen im Mittelpunkt des Interesses.  Die vorliegenden Bestände nehmen eine Personengruppe in den Blick, der bisher wenig Beachtung geschenkt worden ist: Die Ehefrau des Pfarrers.
Die Akten ergänzen die kirchliche Frauenforschung um eine weitere Facette.

Es handelt sich zum einen um die Handakten des Pfarrers Hans Josten (1883-1964), seit 1935 zunächst im Nebenamt, ab 1949 hauptamtlich zuständig für die Seelsorge an den Pfarrfrauen (6HA 029).
Zum anderen um den Bestand des Rheinischen Pfarrfrauendienstes (5WV 016, übrigens nicht zu verwechseln mit dem Pfarrfrauenbund!). Der setzt sich hauptsächlich aus den Akten der jeweiligen Vorsitzenden seit den 1960er Jahren zusammen und reicht bis in das Jahr 1999.
Mit den beiden Beständen ist die Geschichte des Pfarrfrauendienstes, bis auf das letzte Jahrzehnt, relativ vollständig überliefert und kann online recherchiert werden! Weiterlesen

Können Sie Steno? Aus der Arbeitspraxis eines Archivars

Stenografierte Notizen von Pfarrer Hans Josten, ca. 1959 (6HA 029)

Stenografierte Notizen von Pfarrer Hans Josten, ca. 1959 (6HA 029)

Unleserliche Handschriften stellen Archivare im Arbeitsalltag häufig vor Probleme.

Worum geht es in dem Schriftstück? Das ist eine wichtige Frage, wenn es um die richtige archivische Einordnung geht. Selbst wenn man ältere Schriften wie die deutsche Kurrentschrift und Sütterlin relativ gut beherrscht, kann man manchmal nur einzelne Wörter entziffern. Am schwierigsten ist es bei Konzepten und Briefentwürfen. Noch schlimmer ist es bei Eigennamen und Unterschriften.  Aber immerhin geben einzelne Wörter eine Orientierung, mit der man sich den Inhalt nach und nach erschließen kann.

„Oh Mann, was für eine Klaue. Ich kann kein einziges Wort entziffern!“ war auch meine erste Reaktion, als mir das abgebildete Schriftstück aus den Handakten des Pfarrers Hans Josten, von 1935 bis 1954 Leiter des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, beim Verzeichnen in die Hände fiel. Weiterlesen

Letzte Station Armenhaus: Zeugnisse des reformierten Armenwesens in Düsseldorf

Inventarliste der Margaretha van Veld bei Eintritt ins Armenhaus der Reformierten Gemeinde Düsseldorf, 1785

Inventarliste der Margaretha van Veld bei Eintritt ins Armenhaus der Reformierten Gemeinde Düsseldorf, 1785

1 große Kiste
1 kleine ditto
2 grüne (?) Frauen-Jacken,
1 schwartzen stoffen Jack und Rock
1 Violet ditto
1 Damasten-Rock
2 Greenen ditto
3 Schürtzen
3 Hals-Tücher
4 Hauben
6 Hembder
2 Bett-Lacken
1 Spinnrad
1 unbrauchbares Eisenpöttgen

Das war alles, was Margaretha van Veld mitbrachte, als sie am 27. Januar 1785 in das Armenhaus der Reformierten Gemeinde in Düsseldorf aufgenommen wurde.

Die Conditionen, welche von den Reformirten Armen, die in das Armen-Haus aufgenommen werden, bey der Aufnahme eigenhändig zu unterzeichnen sind, regelten weiterhin, dass die Aufgenommenen ihre mitgebrachten Güter, „Kleider, Bette, Meuble, Effecten und Haußgeräthe ohne Ausnahme“, weder „versetzen, noch sonst auf einige andere Weise veräußern“ durften. Weiterlesen