Über Michael Hofferberth

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Dateiformate für die Langzeitarchivierung von Fotos

Lachmann, Hans
Fotograf ( Photograph )
1970, Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0017

Die klassischen Schwarz-Weiß-Fotos und die Diasammlung überstehen Jahrzehnte im viel zitierten Schuhkarton. Digitale Fotos sind dagegen wesentlich anspruchsvoller. Hardware veraltet, Bildbearbeitungsprogramme kommen und gehen, Dateiformate ändern sich. Die Archivierung von digitalen Fotos geht über die reine Datensicherung hinaus. Die archivische Fotosammlung muss nicht nur vor defekten Speichermedien gewappnet werden. Vielmehr gilt es, die langfristige Lesbarkeit und Verarbeitung der Digitalfotos zu gewährleisten. Digitale Fotos haben gegenüber ihren analogen Vorgängern allerdings auch ihre Vorzüge. Die Abkopplung des Bildinhalts vom Bildträger ermöglicht ihre beliebige Reproduzierbarkeit. Dies wiederum vergrößert die Chance, dass zumindest der Bildinhalt der Nachwelt überliefert wird, vorausgesetzt, dass die Digitalfotos in einem geeigneten Format gespeichert werden. Weiterlesen

Die Macht des Schweigens – Präses Heinrich Held und die Berufung von Dozent Ernst Fuchs auf den Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität Bonn

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Ernst Fuchs, Christentum und Sozialismus, Stuttgart 1946

Dozent Ernst Fuchs war chancenlos. Er ahnte es lange Zeit noch nicht einmal, weil er der Bekennenden Kirche angehörte, und Heinrich Held, den späteren ersten Nachkriegspräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, kannte er aus den Tagen, als die Bekennende Kirche sich gegen die Deutschen Christen wehrte. Er wollte daher zunächst nicht wahrhaben, dass dieser ehemalige Mitstreiter vehement seine Berufung auf den Bonner Lehrstuhl für Neues Testament hintertrieb. Pikant: Eine Kirchenleitung, die die Barmer Theologische Erklärung als ihre Bekenntnisgrundlage betrachtet, verweigert einem Mitglied der Bekennenden Kirche, dem die Nationalsozialisten 1933 die Lehrbefugnis entzogen hatten, die Wiederbeilegung der „venia legendi“. Es ging allerdings noch um ein Weiteres. Plakativ ausgedrückt: Die Freiheit der theologischen Wissenschaft in Bonn endet an der theologischen Einstellung des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weiterlesen

„Das Aktenstück Studienfahrt schwoll an…“

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Studienfahrt des Predigerseminars Wittenberg 1954

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen!“ Und dies tut Paul Wätzel, Studiendirektor und Ephorus des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg, denn auch sehr ausführlich. Auf 48 Schreibmaschinenseiten, garniert mit einigen aufgeklebten Schwarz-Weiß-Bildern, schildert er die Studienfahrt des Wittenberger Predigerseminars vom 29. März bis 11. April 1954 in den Westen.

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Der eloquente Dr. Grünagel

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen: v.l.n.r.: Zehn - Bruch - Müller - Staudte - Grünagel. ca. 1933/1934?

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen:
v.l.n.r.: Zehn – Bruch – Müller – Staudte – Grünagel.
um 1933

Damit hatte die Kirchen-leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht gerechnet: „Nun gesellen Sie sich“, so schrieb Präses Heinrich Held im Dezember 1949 an Oberkirchenrat Oskar Söhngen in Berlin-Charlottenburg, „auch noch zu den Vielen, die für Dr. Grünagel eintreten, und mein Aktenstück wird immer stärker.“ Für den ehemaligen Aachener Pfarrer Friedrich Grünagel verwendeten sich zahlreiche, teilweise prominente Persönlichkeiten: Neben Oberkirchenrat Söhngen Professor Emil Weber, Superintendent Paul Staudte, Emmi Welter, Vorsitzende der rheinischen Frauenhilfe und Mitglied des Deutschen Bundestags, Eugen Gerstenmaier, Leiter des Evangelischen Hilfswerks und späterer Bundestagspräsident, Kirchenpräsident Hans Stempel, Kirchenpräsident Martin Niemöller, Landesbischof Julius Bender u.a.. Die rheinische Kirchenleitung um Präses Heinrich Held geriet zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Weiterlesen

Rendantin Katharina Seifert und die Verwaltung landeskirchlicher Stiftungen

Held, Heinrich Pfarrer Präses Ev. Kirche im Rheinland mit seiner Sekretärin Katharina ( Käthe ) Seifert Foto: Harro Bleckmann Fotosammlung: ohne Signatur

Präses Heinrich Held mit der Rendantin Katharina Seifert
Foto: Harro Bleckmann

Verwaltungsakten stehen gemeinhin im Ruf, nur ausgewiesene Insider zu begeistern. Nüchterne Rationalität gepaart mit Tristesse und Monotonie herrschen hier, so die verbreitete Meinung, vor. Dass dies keineswegs immer zutrifft, verdeutlichen beispielhaft die Handakten von Präses Heinrich Held (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Bestand: 6HA 006). Sie dokumentieren nicht nur die enormen Schwierigkeiten, Einrichtungen inklusive Gebäude unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs wieder aufzubauen und zu unterhalten, sondern auch über die verbreitete existentielle Not der Bevölkerung mit unmittelbaren Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit des Einzelnen.

Seit 1942 lag die Verwaltung der zunächst provinzialkirchlichen, dann ab 1948 landeskirchlichen Häuser in den Händen der Oberinspektorin und Rendantin Katharina Seifert (1896-1979). Recht eigenständig verwaltete sie das Haus Hermann von Wied in Rengsdorf, das Haus Mainzer Straße 81 in Koblenz, die Häuser Rheinstraße 16 bis 20 sowie die Schulstraße 3 in Orsoy, das Herzog-Wolfgang-Haus in Meisenheim/Glan und das Evangelisch-Theologische Stift / Evangelisches Studentenheim, Humboldtstraße 42 sowie das Betty-Günther-Heim, evangelisches Studentinnenheim, Hohenzollernstraße 9, letztgenannte in Bonn. Sie überprüfte nicht nur die Finanzen dieser kirchlichen Einrichtungen, in Zeiten mit geringen finanziellen Mitteln bereits eine Aufgabe, die viel Umsicht und Blick für das Notwendige erforderte, sondern begleitete maßgeblich den Wiederaufbau und die Instandsetzung der Gebäude und den Betrieb der Einrichtungen. Sie entschied, welche Baumaßnahme vordringlich ausgeführt werden musste und welche noch Zeit hatte. Weiterlesen

Bibelkreise zwischen Aufbruch und Auflösung. Evangelische Jugendarbeit von 1883 bis in die 1930er Jahre

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Umschlag: LWL, Umschlagfoto: Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland

Die Filmautorin und Journalistin Christine Finger hat auch einige Tage in unserem landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf zugebracht. Nun hat ihr Dokumentarfilm über die westfälischen Schülerbibelkreise in den Jahren 1883 bis 1933 Premiere. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Verein Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen (BK) e.V. diesen Film zur evangelischen Jugendarbeit. Er erscheint in der Reihe „Westfalen in historischen Filmen“.

Die Dokumentation basiert in wesentlichen Teilen auf Filmaufnahmen, die Anfang der 1930er Jahre während Ferienfahrten, Ausflügen und den Reichslagern des Bundes Deutscher Bibelkreise gedreht wurden. Er greift allerdings auch auf historische Quellen der Zeit bis zur Gründung 1883 zurück und vermittelt einen Eindruck von der wechselvollen Geschichte dieser evangelischen Jugendorganisation.

Die Autorin griff auf zahlreiche Dokumente zurück, die die Bestände und die Bildersammlung unseres Archivs in Düsseldorf bereit halten. Für ihren Film verarbeitete die Autorin neben Fotos und Dokumenten auch Ausweise, Anstecker, Aufnäher, Einladungskarten usw. Die rheinischen Schülerbibelkreise sind aus Quellensicht gut vertreten. Für Interessierte listen wir die in Frage kommenden Bestände hier kurz auf: Schülerbibelkreise, Bestandssignatur: 5WV013, Nachlass des Pfarrers Werner Dümling, Signatur: 7NL190, Handakten des Oberkirchenrats Johannes Schlingensiepen, Signatur: 6HA002, Handakten des Bevollmächtigten Otto Wehr, Signatur 6HA046B, Amt für Jugendarbeit: Signatur: 2LR032, Jugendakademie Radevormwald, Signatur: 2LR003.

Am Dienstag (24. Mai) wird der Film „Bibelkreise zwischen Aufbruch und Auflösung. Evangelische Jugendarbeit von 1883 bis in die 1930er Jahre“ um 19 Uhr im Verein Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen (BK) e.V. in Hagen-Berchum (Ergster Weg 59, 58093 Hagen) erstmals präsentiert. Die DVD ist im Anschluss an die öffentliche Premiere sowie direkt beim LWL-Medienzentrum für Westfalen für 14,90 Euro plus Versandkosten erhältlich.

DVD mit Begleitheft, Preis 14,90 Euro
Bezug: LWL-Medienzentrum für Westfalen
Fürstenbergstr. 13-15
48147 Münster
E-Mail: medienzentrum@lwl.org
Internet: http://www.westfalen-medien.lwl.org

Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org

Osterkarte der Schülerbibelkreise

Schülerbibelkreise (BK) Johannes Schlingensiepen (l.) und Samuel Henrichs - Fröhliche Ostern Postkarte 1928

Schülerbibelkreise (BK)
Johannes Schlingensiepen (l.) und Samuel Henrichs – Fröhliche Ostern
Postkarte 1928

1928 übersandten Johannes Schlingensiepen, rheinischer Landeswart der Schülerbibelkreise (1924-1930, links) und Samuel Henrichs, Reichswart des Bundes Deutscher Bibelkreise (1926-1930, rechts), einen Ostergruß mit ihren Konterfeis an die Mitglieder.

1883 bildete sich in Elberfeld das erste Bibelkränzchen für Gymnasiasten. Die „Bibelkreise für Schüler höherer Lehranstalten“ (BK) waren seit 1915 als Reichsverband organisiert. 1934 wurden die Bibelkreise aufgelöst. Nach dem Krieg konstituierte sich die Evangelische Jugend Deutschlands – Schülerbibelkreise mit Sitz in Wuppertal-Barmen als Träger der Jugendarbeit innerhalb der EKD. Aus ihr erwuchs die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES).

Die Schülerbibelkreise waren das Sprungbrett für so manche Karriere im kirchlichen Raum. Wir möchten Sie auf folgende Bestände unseres Archivs hinweisen:

  • Schülerbibelkreise (Signatur: 5WV 013), 1886-1989,
  • Nachlass von Pfarrer Werner Dümling, Landeswart der Schülerbibelkreise im Rheinland (Signatur: 7NL 190),
  • Nachlass des Superintendenten Samuel Henrichs (Signatur: 7NL 064),
  • Handakten des Oberkirchenrats Johannes Schlingensiepen (Signatur: 6HA 002).

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes und frohes Osterfest

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland

 

Eine Schraubmedaille zum 200-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses 1730

Abraham Remshart Schraubmedaille zum 200-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana Martin Luther . Philipp Melanchton 1730 Abgabe: Frau Friedrich, Tochter von Archivrat Walter Schmidt, 07.10.2010 vgl. Jean Darquenne, Münster: Eine Schraub-Medaille auf das 200jährige Jubliäum der Confessio Augustana, in: Monatshefte, 30 (1981), S. 193-197.

Abraham Remshart,
Schraubmedaille zum 200-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana.
Martin Luther und Philipp Melanchton.
1730

Allen judenfeindlichen Äußerungen zum Trotz: 2017 wird Martin Luther gefeiert. Gesucht werden möglichst originelle Bildnisse des Reformators. Die Schraubmedaille zum 200-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana 1730 mit den Konterfeis von Martin Luther und Philipp Melanchthon auf der Frontseite und je einem Portrait im Inneren der Medaille ist ein außergewöhnliches Stück.

Um 1700 kamen in Augsburg Bilderzyklen auf den Markt, die an bedeutende Ereignisse des Protestantismus erinnerten. 1730  stand das Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses an. Es erinnerte daran, dass 200 Jahre zuvor vor Kaiser und Reichstag die 28 Artikel von Philipp Melanchthon verlesen wurden. Im Erzbistum Salzburg begann die Verfolgung und letztlich Ausweisung von Protestanten. Ein Gruppe von Salzburger Exulanten traf Ende 1731 in Augsburg ein. Die Anteilnahme vieler Protestanten an ihrem Schicksal beflügelte das Geschäft mit den „geschraubten Medaillen”, wie sie damals genannt wurden.

Abraham Remshart Schraubmedaille zum 200-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana Lasset die Kindlein zu mir kommen. Taufe (eines Emigranten) 1730 Abgabe: Frau Friedrich, Tochter von Archivrat Walter Schmidt, 07.10.2010

Abraham Remshart,
Schraubmedaille zum 200-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana.
Lasset die Kindlein zu mir kommen.
Taufe eines Salzburger Emigranten.
1730

Die Artikel des protestantischen Bekenntnisses wurden in Szenen mit Personen dargestellt, die die Salzburger Tracht trugen. Von den ursprünglichen 24, über schmale Stege miteinander verbundenen Bildern sind 16 erhalten geblieben. Neben den Portraits von Luther und Melanchthon zeigen die kolorierten Kupferstiche etwa den Sündenfall, Christus mit Kreuz und zwei vor ihm knieende Salzburger Bauern, das Schiff Christi, Taufe eines Emigranten, Ordination eines Predigers, das Jüngste Gericht, und zum Schluss Pharisäer und Zöllner – das Bild trägt die Signatur des Künstlers A[braham] Remshart.

 

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Heinrich Held zieht in den Ersten Weltkrieg

Heinrich Held (links) und das Telegrafenbataillon 1915

1915 meldete sich der erst siebzehnjährige Heinrich Held (1897-1957), später erster Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (1949-1957), freiwillig zum Heeresdienst. Da schwang sicherlich Patriotismus mit. Das Ausschlag gebende Moment war allerdings, dass er als Kriegsfreiwilliger den Truppenteil selbst auswählen konnte. Da er das wehrmündige Alter von achtzehn Jahren noch nicht erreicht hatte, bedurfte es der Einwilligung seines Vaters, der mit seiner Zustimmung zunächst zögerte, dann aber sich diesem Argument nicht verschloss. Seine Wahl fiel auf das Telegrafenbataillon, einer Heereseinheit, die technisches Verständnis abverlangte. Sollte er die vage Hoffnung gehegt haben, dass ihn dies vor den schlimmsten Gräueln des Ersten Weltkriegs bewahren könnte, so erlag er, wie sich herausstellen sollte, einem Irrtum.

Seine militärische Grundausbildung erhielt Heinrich Held von September bis November 1915 in Köln. Zur speziellen Ausbildung als Telegrafist wurde er anschließend nach Frankfurt/Oder abkommandiert. Im Februar 1916 rückte sein Einheit auf den Balkan nach Serbien und Mazedonien aus.

Heinrich Held schildert in zahlreichen Briefen an seine Freundin und spätere Verlobte Martha Kortenhaus minutiös seine Zeit als Rekrut. Im Folgenden möchte ich Ihnen beispielhaft Passagen aus einigen Briefen vorstellen. Sie finden sich im Bestand mit der Signatur 7NL008, Nachlass Heinrich Held, Nr. 36 und 37 des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sein Sohn, Heinz Joachim Held, hat seine Briefe transkribiert und kommentiert: 7NL 008, Nr. 170.

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