Über Michael Hofferberth

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Vordigital – Arbeit in den 1950ziger und 1960ziger Jahren

Messerschleifer in einem Schleifkotten bei Solingen/Bergisches Land, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_002301

Man weiß es aus den eher beiläufigen Schilderungen der Eltern und Großeltern: In den 1950ziger und 1960ziger Jahren wurde viel und hart gearbeitet. Es fällt heute allerdings schwer, die enorme Arbeitsbelastung wie auch die zumeist bescheidenen Lebensumstände der Menschen in dieser Zeit des „Wiederaufbaus” im Nachkriegsdeutschland nachzuempfinden.

Der Fotograf Hans Lachmann, der in dieser Zeit die Gesellschaft in und um Düsseldorf im Sucher seiner Kamera hatte, führt uns die damalige Arbeitswelt vor Augen: Messerschleifer in gebückter Haltung an ihren Schleifmaschinen, Tankwart, Schmied, Fahrer einer Straßenwalze, Gerüstbauer, die ein Holzgerüst aufbauen, Arbeiter in einem Stahlwerk, ein KFZ-Mechaniker mit einem – aus heutiger Sicht – primitiven Messgerät an einem Motorblock, Werkzeugmacher, Schichtwechsel.

  • Evangelische Arbeiterkolonie Lühlerheim, Schmied, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_002345

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Der Satan spielt nicht mit – die Rolling Stones in Düsseldorf

Pressekonferenz mit den Rolling Stones, Mick Jagger, Düsseldorf, 11.09.1965, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 142: Beat, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv),7_002503

Musik spielt für die Kirche zweifelsohne eine große Rolle – nicht nur im Gottesdienst. Daher begleitete die evangelische Kirche alles, was sich in den sechziger Jahren an neuer Musik in der Jugendscene entwickelte, mit Argwohn. Dies insbesondere dann, wenn sie mit einem spirituellen Touch daherkam. Die Amtskirche befürchtete, dass Rockmusik von Bands wie den Rolling Stones, Beatles,  Black Sabbath, The Who, ACDC u.a. die Jugendlichen noch weiter von dem christlichen Glauben entfremdet, und diskutierte, ob es opportun sei, die schädlichen Begleiterscheinungen dieser Musik öffentlich herauszustellen – etwa ihre „umstürzlerischen Züge“ und ihren „Okkultismus“, vor allem ihre „satanistischen Liedtexte“. Diashow ⇩
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„Nichts für Angsthasen“ – Altern im Heim

Ev. Altenheim Otto-Ohl-Haus in Düsseldorf-Garath, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 117: Altenheim, aus Bestand: AEKR 8SL046 (Bildarchiv),00_02701_0115

Mae West, eine Hollywood-Ikone, Schauspielerin, Sängerin, portraitiert von Salvator Dali, prägte dieses Bonmot, als es mit ihrer Karriere und ihrem Leben im Alter bergab ging: „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Jeder möchte lang leben, aber keiner alt werden, feixten bereits die Schriftsteller und Satiriker Jonathan Swift und Johann Nestroy. Alzheimer, Demenz, Parkinson, Schlaganfall gepaart mit Unbeweglichkeit und Einsamkeit, sind die Schreckgespenster, die jedem drohen und den Weg ins Altersheim bahnen – die letzte Station des modernen Lebens. Und noch etwas lässt sich sagen: Altern im Altersheim ist überwiegend weiblich. Dies zeigen die Fotografien von Hans Lachmann. >> Diashow Weiterlesen

Die Bahnhofsmission in Düsseldorf

Bahnhofsmission, Mitarbeiterin mit Sammelbüchse und Spender mit Zigarre und Hut, vermutlich Hauptbahnhof Düsseldorf, Hans Lachmann, Schachtel Nr. 86: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000805

Ferienzeit – Reisezeit. Heute reist man mit dem Flugzeug in ferne, exotische Länder, ab den 1960ziger Jahren mit dem Zug an die Nordsee oder nach Bayern und Österreich. Heute bilden sich lange Menschenschlangen vor den Abfertigungsschaltern und vor den Gates im Flughafen, früher herrschte ein Gedränge vor den Fahrkartenschaltern des Bahnhofs und auf den Bahnsteigen der Fernverkehrszüge. Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. War der Reisende auf solche Verkehrsmittel angewiesen, konnte er in fremden, unbekannten Orten stranden. War es ein Bahnhof, war damals die Bahnhofsmission ein nahezu allen bekannter Anlaufpunkt: Hier wurde ihm geholfen, vor allem mit einer Tasse Kaffee aus der großen Thermoskanne oder mit einem Teller Erbsensuppe. Ging der Koffer verloren, half sie mit Kleidung aus. Nicht nur das: Die zumeist ehrenamtlichen Helfer unterstützten behinderte Zugreisende, aus- und einzusteigen, sorgten dafür, dass Senioren mit ihrem Gepäck den richtigen Zug nahmen, begleiteten alleinfahrende Kinder und Kindergruppen zu den Ferienorten. Und Heiligabend sorgten sie dafür, dass sozial benachteiligte Personen gemeinsam feiern konnten. Finanziell blieben sie weitgehend auf sich gestellt. Ihre Arbeit war auf Spenden angewiesen.

  • Bahnhofsmission, Banner "Bahnhofsmission hilft! Helfen Sie uns helfen!", Hans Lachmann, Schachtel Nr. 86: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000805

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„Ausländer“ und „Asylsuchende“ – Fotografien des Fotografen Hans Lachmann

Demonstration jezidischer Flüchtlinge, Düsseldorf, Rheinuferstraße, Foto: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 61: Ausländer, AEKR 8SL 071;

Dass entgegen den populistischen Einflüsterungen Immigranten und Asylsuchende keine homogene Masse bilden, die lediglich einwandern, um den Sozialstaat ausplündern, zeigen die Fotos des Fotografen Hans Lachmann in aller Deutlichkeit. So vielfältig die Herkunftsländer der ausländischen Mitbürger sind, so vielfältig sind die Lebensweisen, die er in Bildern eingefangen hat: Italiener, Griechen, Türken, Russen, Eritreaner, Jesiden, Vietnamesen, Chilenen, Araber, Israelis, US-Amerikaner.

Junge Israelis aus Haifa und christliche Araber aus Nazareth tanzen miteinander,  Foto: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 60: Ausländer, AEKR 8SL 071;

Seine Fotografien zeigen die beengten und verwahrlosten, bisweilen menschenunwürdigen Wohnungen, in denen italienische, griechische und türkische Gastarbeiter der 60ziger Jahre in Deutschland mehr hausten als lebten, die Tätigkeiten, die sie ausübten, etwa im Bergbau, die beengte Unterbringung von Flüchtlingen in Heimen, in denen sie zu mehreren Personen in einem möbelierten Zimmer mit äußerst dürftiger Ausstattung untergebracht waren, ihre Proteste gegen die drohende Abschiebung, ihre Bemühungen um Integration, und auch die vielfältige Unterstützung, die ihnen von Teilen der Bevölkerung entgegengebracht wurde – etwa in Form von Freizeiten, Nähstuben, Kleiderkammern, Hausaufgabenbetreuung. Und er hielt im Bild fest, wie Araber und Israelis – körperbetont – gemeinsam tanzten.

Ein kleine Auswahl von Fotos aus der Sammlung von Hans Lachmann finden Sie im Folgenden.

  • Griechische Gastarbeiterfamilie in Düsseldorf, verkommene Unterkunft, Foto: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 67: Außenseiter, AEKR 8SL 071;

Frauen in den Synoden

Landessynode in Bad Godesberg mit Präses Joachim Beckmann am Rednerpult 13.-18. Januar 1963, Foto: Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Hans Lachmann, Bestand: AEKR Düsseldorf 8 SL 046 (Bildarchiv), 10_19630113

Man vermutet es auch nicht anders: Frauen waren 1948 in kirchlichen Gremien stark unterrepräsentiert. Das Mitgliederverzeichnis der verfassungsgebenden Kirchenversammlung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 11. bis 13. Juli 1948 in Eisenach wies lediglich drei Frauen aus. Es war zu dieser Zeit und auch einige Zeit danach unüblich, daran muss man erinnern, dass verheiratete Frauen einer Berufstätigkeit nachgingen. Die drei Frauen, zwei Vikarinnen und eine Oberin, nahmen sich neben den 144 männlichen Personen, allesamt in leitenden kirchlichen Ämtern oder in Führungspositionen der Verwaltung und der Industrie, geradezu deplatziert aus. Es blieb auch 1949 dabei. Im Kreis der 120 Mitglieder der ersten Tagung der ersten EKD-Synode in Bethel vom 9. Bis 13. Januar 1949 fanden sich ebenfalls lediglich drei Frauen.

Auf dieses Missverhältnis machte die Oberkirchenrätin Dr. Elisabeth Schwarzhaupt, promovierte Juristin und Mitarbeiterin der Kanzlei der Evangelischen Kirche in Berlin, CDU-Mitglied und spätere Bundesministerin für Gesundheit, Oberkirchenrat Heinrich Held, Mitglied des Rates der EKD, im Namen der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland in dem besagten Jahr 1948 aufmerksam. Weiterlesen

Präses Heinrich Held und sein Kreuz

Bundeskanzler Konrad Adenauer – Empfang zum 80. Geburtstag
Gratulanten: Otto Dibelius, Bischof der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, im Hintergrund: Präses Heinrich Held mit Kreuz, 5. Januar 1956
Foto: unbekannt, Bestand: 7NL008 (Nachlass Präses Heinrich Held)

Es stach sicherlich nicht nur dem Pfarrer Ernst Seynsche, zugleich Landessynodaler und nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, ins Auge: Beim offiziellem Empfang zum 80. Geburtstag von Bundeskanzler Konrad Adenauer am 5. Januar 1956 trug Präses Heinrich Held unübersehbar ein Kreuz. Weiterlesen

Räderwerk Landeskirchenamt

Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland – Mitarbeiter, ca. 1961
Foto: unbekannt

Funktionieren soll eine Verwaltung wie ein Uhrwerk. Ein Rädchen greift ins gut geölte andere. Bisweilen allerdings knirscht es. Sandkörner haben sich ins Getriebe verirrt. In der Nachkriegszeit von 1949 bis 1960 bemühte sich Oberkirchenrat Hans Ulrich, juristischer Dirigent, zusammen mit dem Amtmann und späteren Verwaltungsdirektor Heinrich Dudey, das Räderwerk Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland in Gang zu halten. Die Dinge, die einer Regelung bedurften, nahmen permanent zu. Die Verwaltungsspitze sah sich genötigt, ständig und en détail nachzujustieren. Die Halbwertzeit so mancher Hausverfügung erwies sich allerdings als gering. Im Folgenden finden Sie einige Kostproben aus den Handakten von Präses Heinrich Held (Bestand: 6HA006, Nr. 308-311). Weiterlesen

Dateiformate für die Langzeitarchivierung von Fotos

Lachmann, Hans
Fotograf ( Photograph )
1970, Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0017

Die klassischen Schwarz-Weiß-Fotos und die Diasammlung überstehen Jahrzehnte im viel zitierten Schuhkarton. Digitale Fotos sind dagegen wesentlich anspruchsvoller. Hardware veraltet, Bildbearbeitungsprogramme kommen und gehen, Dateiformate ändern sich. Die Archivierung von digitalen Fotos geht über die reine Datensicherung hinaus. Die archivische Fotosammlung muss nicht nur vor defekten Speichermedien gewappnet werden. Vielmehr gilt es, die langfristige Lesbarkeit und Verarbeitung der Digitalfotos zu gewährleisten. Digitale Fotos haben gegenüber ihren analogen Vorgängern allerdings auch ihre Vorzüge. Die Abkopplung des Bildinhalts vom Bildträger ermöglicht ihre beliebige Reproduzierbarkeit. Dies wiederum vergrößert die Chance, dass zumindest der Bildinhalt der Nachwelt überliefert wird, vorausgesetzt, dass die Digitalfotos in einem geeigneten Format gespeichert werden. Weiterlesen

Die Macht des Schweigens – Präses Heinrich Held und die Berufung von Dozent Ernst Fuchs auf den Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität Bonn

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Ernst Fuchs, Christentum und Sozialismus, Stuttgart 1946

Dozent Ernst Fuchs war chancenlos. Er ahnte es lange Zeit noch nicht einmal, weil er der Bekennenden Kirche angehörte, und Heinrich Held, den späteren ersten Nachkriegspräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, kannte er aus den Tagen, als die Bekennende Kirche sich gegen die Deutschen Christen wehrte. Er wollte daher zunächst nicht wahrhaben, dass dieser ehemalige Mitstreiter vehement seine Berufung auf den Bonner Lehrstuhl für Neues Testament hintertrieb. Pikant: Eine Kirchenleitung, die die Barmer Theologische Erklärung als ihre Bekenntnisgrundlage betrachtet, verweigert einem Mitglied der Bekennenden Kirche, dem die Nationalsozialisten 1933 die Lehrbefugnis entzogen hatten, die Wiederbeilegung der „venia legendi“. Es ging allerdings noch um ein Weiteres. Plakativ ausgedrückt: Die Freiheit der theologischen Wissenschaft in Bonn endet an der theologischen Einstellung des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weiterlesen