Über Dr. Andreas Metzing

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Ein Kirchenlied als mutiges Bekenntnis

Maschinenschriftliche Abschrift des Schreibens der NSDAP-Ortsgruppe Kastellaun an die Kreisleitung in Simmern vom 23. Dezember 1933, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 050B (Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf), Nr. 15, Akte 06-7.

Der Kirchenkampf in der Zeit des Nationalsozialismus spaltete viele evangelische Kirchengemeinden. Auch durch die evangelische Gemeinde in Kastellaun im Hunsrück ging nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ein Riss. 1933 bildete sich eine Ortsgruppe der Glaubensbewegung „Deutsche Christen“, der vor allem das Verhalten des seit 1925 amtierende Pfarrers Edmund Kottje ein Dorn im Auge war.

Kottje wurde nicht müde, seine Ablehnung des Nationalsozialismus und der deutschchristlichen Theologie öffentlich und insbesondere in seinen Predigten deutlich kund zu tun. Mit klaren Worten kritisierte er Antisemitismus und Führerkult und ließ zum Reformationstag des Jahres 1933 seine Gemeinde das Lied „Geist des Glaubens, Geist der Stärke“ von Philipp Spitta singen. Dieses 1833 entstandene Lied prangert in einer Strophe die „den Götzen dieser Zeit“ huldigende „verführte blinde Menge“ an – vor dem Hintergrund der kirchenpolitischen Situation hundert Jahre später war das Singen genau dieses Verses eine unverhohlene und mutige Kritik am NS-Regime und der Ideologie der Deutschen Christen. Postwendend wurde Kottje denunziert, doch stand der größere Teil seiner Gemeinde hinter ihm. Er unterstützte weiterhin jüdische Familien aus Kastellaun bei der Beschaffung von Papieren für die Ausreise und kam auch in denfolgenden Jahren immer wieder mit der NS-Justiz in Konflikt. Meist warf man ihm beleidigende Äußerungen gegenüber Hitler und seiner Politik vor. Zur Jahreswende 1939/40 wurde er für mehrere Wochen inhaftiert. Weiterlesen

Ein Kirchenbrand und seine Folgen

Aufruf des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde Schöneberg/Westerwald zur Unterstützung des Kirchenneubaus nach dem Brand vom 23. Mai 1854, aus Bestand: AEKR Boppard 8SL 055B (Sammlung Anordnungen-Rundschreiben-Merkblätter)

Ein verhängnisvolles Unglück traf am 23. Mai 1854 das Westerwalddorf Schöneberg: Es brach ein Brand aus, der binnen weniger Stunden neunzehn Gehöfte, darunter sämtliche Pfarrgebäude, in Schutt und Asche legte. Auch die alte romanische Kirche wurde von den Flammen ergriffen und zerstört. Drei schwere Glocken aus dem Turm zerschmolzen.

Die Brandkatastrophe belastete das kirchliche Leben in Schöneberg auf Jahrzehnte hinaus. Pfarrer Emil Müller und seine Familie mussten zwischenzeitlich im Pfarrhaus der Nachbargemeinde Almersbach untergebracht werden. Die Gottesdienste fanden bis auf weiteres im Freien statt. Bei Beginn der kalten Jahreszeit baute man die Ruine des abgebrannten Gotteshauses zur behelfsmäßigen Notkirche um.

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Evangelisches Leben in der mittelrheinischen Diaspora

Im Rahmen der von der Stadt Koblenz, dem evangelischen Gemeindeverband Koblenz und dem Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland veranstalteten Vortragsreihe „Evangelisches Leben an Rhein und Mosel“ hält Dr. Andreas Metzing, der Leiter der Evangelischen Archivstelle Boppard, am 26. Juni 2017 im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz einen Vortrag zu den Anfängen des evangelischen Lebens in Koblenz im 18. und 19. Jahrhundert.

 

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Digitaler Lesesaal der Archivstelle Boppard wird ausgebaut

Seit einem Jahr können Familienforscher im Lesesaal der Archivstelle Boppard an PC-Terminals komfortabel in den digitalisierten Kirchenbüchern recherchieren. Jetzt wurde das Angebot ausgebaut und nicht nur die Kirchenbücher, sondern auch zahlreiche Familienbücher, die wichtige Hilfsmittel für die genealogische Forschung sind, im Digitalen Lesesaal als Dateien zugänglich gemacht.

Digitaler Lesesaal der Archivstelle Boppard – Seite der Gemeinde Sohren (Hunsrück)

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Archivische Kriegsvorbereitung in der Grenzregion

Rundschreiben des Evangelischen Konsistoriums der Rheinprovinz vom 8. Mai 1939 betr. Sicherung kirchlicher Archive im Kriegsfall. Aus Bestand 8SL 055B (Sammlung Anordnungen-Rundschreiben-Merkblätter).

Schon Monate bevor am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann waren die Vorbereitungen auf den Waffengang angelaufen. Von kirchlichen Stellen war dabei frühzeitig auch der Archivalienschutz in den Blick genommen worden, insbesondere in den Grenzregionen Deutschlands. Das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz traf bereits im Mai 1939 Vorkehrungen für die Sicherung der kirchlichen Archive im Kriegsfall.

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Kirchen- und Gemeindeaufbau in der Diaspora

Baustein zum Bau des am 7. November 1954 eingeweihten evangelischen Gemeindehauses in Weißenthurm, aus Bestand: AEKR Boppard 3MB 009B (Kirchenkreis Koblenz II), Nr. 25

Der nordwestlich von Koblenz am unteren Mittelrhein gelegene Ort Weißenthurm ist tiefste evangelische Diaspora. In dem im 17. Jahrhundert gegründeten kurtrierischen Ort ließen sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Evangelischen nieder und wurden der Kirchengemeinde Andernach zugeordnet. Anfang der 1950er Jahre wuchs die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder jedoch so stark an, dass man den Bau eines eigenen Gemeindehauses in Weißenthurm plante. Zur Finanzierung des Projekts mit einem Gesamtkostenaufwand von 160.000 DM war die Gemeinde auf die Unterstützung ihre Mitglieder angewiesen. Das Presbyterium zeigte sich dabei erfinderisch und gab „Bausteine“ in Form von Wertmarken aus, die man zum Preis von 1,- DM käuflich erwerben konnte. Am 7. November 1954 konnte das Gemeindezentrum nach kurzer Bauzeit feierlich eingeweiht werden. Die Altarbibel hatte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet.

Fünf Jahre nach Einweihung des neuen Gemeindehauses hatte sich die Zahl der Evangelischen im Weißenthurm erneut so vergrößert, dass die Gemeinde zum 1. April 1959 selbständig wurde.

Kirchliche Gemeindemanager um 1900

Pfarrer als Gemeindemanager um 1900, aus Bestand: AEKR Boppard

Pfarrer als Gemeindemanager um 1900, aus Bestand: AEKR Boppard

Zu viel Bürokratie, zu wenig Seelsorge – unter dieser Last stöhnen heute zahlreiche Pfarrerinnen und Pfarrer. Gerne wird dann die „gute alte Zeit“ vor fünfzig oder gar hundert Jahren beschworen, als sich der Gemeindepfarrer, frei von bürokratischen Schikanen vorgesetzter Behörden, noch mit voller Hingabe seinem eigentlichen Geschäft der Verkündigung und der Seelsorge widmen und die wenigen Verwaltungsaufgaben gleichsam en passant erledigen konnte. Doch bei dieser Vorstellung handelt es sich – wieigentlich immer, wenn die Erinnerung an eine angeblich unbeschwerte Vergangenheit gegen die schnöde Gegenwart ins Feld geführt wird – um ein idealtypisches Klischee, das mit der Realität nur wenig zu tun hat. Auf beeindruckende Weise macht das ein Fund deutlich, der jetzt bei Ordnungsarbeiten am Archivbestand des ehemaligen Kirchenkreises Trarbach auftauchte. Weiterlesen

Kirchliche Verwaltungssprache und NS-Ideologie

Der Begriff der „glaubensverschiedenen Ehe“ ist heute eine übliche und völlig unverfängliche Bezeichnung für Verbindungen von Ehepartnern unterschiedlicher Konfession oder Religion. Gegenüber dem gelegentlich noch gebrauchten Begriff der „Mischehe“ erscheint sie uns Heutigen als angenehm neutral. Kaum jemandem ist freilich bewusst, dass die Einführung des Ausdrucks „glaubensverschiedene Ehe“ in den amtlichen kirchlichen Sprachgebrauch unter äußerst brisanten politischen Vorzeichen erfolgte, nämlich im Zuge des rassischen Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus. Weiterlesen

Geschäfte für den guten Zweck

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular "Hauptbuch (Manual) nach Schema F" im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular „Hauptbuch (Manual) nach Schema F“ im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Das Evangelische Stift St. Martin in Koblenz wurde 1844 als Kranken- und Waisenhaus gegründet. Sein Begründer, der aus Kreuznach stammende Johann Friedrich Kehr (1804-1867), war allerdings von Hause aus Buchdrucker, und so lag es nahe, dass er dem Stift ein Geschäftsmodell zugrunde legte, bei dem sein erlernter Beruf eine zentrale Rolle spielte. Neben dem Kranken- und Waisenhaus betrieb er noch eine Druckerei, eine Buchbinderei sowie eine Buch- und Schreibwarenhandlung, deren Reinerträge unmittelbar in die Finanzierung der beiden sozialen Einrichtungen flossen. Weiterlesen

Wohin mit alten Dienstsiegeln?

Wenn Kirchengemeinden fusionieren und eine neue Gemeinde ins Leben gerufen wird, dann muss neben zahlreichen anderen verwaltungstechnischen Formalitäten auch an die Schaffung eines neuen Siegels gedacht werden. So geschah es kürzlich bei der Vereinigung der drei Gemeinden Merxheim, Monzingen und Meddersheim zur Evangelischen Kirchengemeinde Mittlere Nahe, deren neu entworfenes Siegel bereits im Amtsblatt publiziert worden ist. Siegel KG Mittlere NaheWas aber soll mit den bisher gebrauchten Dienstsiegeln geschehen? Diese Frage hat die Gemeinde Mittlere Nahe geradezu vorbildlich geklärt. Weiterlesen