Über Dr. Andreas Metzing

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Kirchen- und Gemeindeaufbau in der Diaspora

Baustein zum Bau des am 7. November 1954 eingeweihten evangelischen Gemeindehauses in Weißenthurm, aus Bestand: AEKR Boppard 3MB 009B (Kirchenkreis Koblenz II), Nr. 25

Der nordwestlich von Koblenz am unteren Mittelrhein gelegene Ort Weißenthurm ist tiefste evangelische Diaspora. In dem im 17. Jahrhundert gegründeten kurtrierischen Ort ließen sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Evangelischen nieder und wurden der Kirchengemeinde Andernach zugeordnet. Anfang der 1950er Jahre wuchs die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder jedoch so stark an, dass man den Bau eines eigenen Gemeindehauses in Weißenthurm plante. Zur Finanzierung des Projekts mit einem Gesamtkostenaufwand von 160.000 DM war die Gemeinde auf die Unterstützung ihre Mitglieder angewiesen. Das Presbyterium zeigte sich dabei erfinderisch und gab „Bausteine“ in Form von Wertmarken aus, die man zum Preis von 1,- DM käuflich erwerben konnte. Am 7. November 1954 konnte das Gemeindezentrum nach kurzer Bauzeit feierlich eingeweiht werden. Die Altarbibel hatte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet.

Fünf Jahre nach Einweihung des neuen Gemeindehauses hatte sich die Zahl der Evangelischen im Weißenthurm erneut so vergrößert, dass die Gemeinde zum 1. April 1959 selbständig wurde.

Kirchliche Gemeindemanager um 1900

Pfarrer als Gemeindemanager um 1900, aus Bestand: AEKR Boppard

Pfarrer als Gemeindemanager um 1900, aus Bestand: AEKR Boppard

Zu viel Bürokratie, zu wenig Seelsorge – unter dieser Last stöhnen heute zahlreiche Pfarrerinnen und Pfarrer. Gerne wird dann die „gute alte Zeit“ vor fünfzig oder gar hundert Jahren beschworen, als sich der Gemeindepfarrer, frei von bürokratischen Schikanen vorgesetzter Behörden, noch mit voller Hingabe seinem eigentlichen Geschäft der Verkündigung und der Seelsorge widmen und die wenigen Verwaltungsaufgaben gleichsam en passant erledigen konnte. Doch bei dieser Vorstellung handelt es sich – wieigentlich immer, wenn die Erinnerung an eine angeblich unbeschwerte Vergangenheit gegen die schnöde Gegenwart ins Feld geführt wird – um ein idealtypisches Klischee, das mit der Realität nur wenig zu tun hat. Auf beeindruckende Weise macht das ein Fund deutlich, der jetzt bei Ordnungsarbeiten am Archivbestand des ehemaligen Kirchenkreises Trarbach auftauchte. Weiterlesen

Kirchliche Verwaltungssprache und NS-Ideologie

Der Begriff der „glaubensverschiedenen Ehe“ ist heute eine übliche und völlig unverfängliche Bezeichnung für Verbindungen von Ehepartnern unterschiedlicher Konfession oder Religion. Gegenüber dem gelegentlich noch gebrauchten Begriff der „Mischehe“ erscheint sie uns Heutigen als angenehm neutral. Kaum jemandem ist freilich bewusst, dass die Einführung des Ausdrucks „glaubensverschiedene Ehe“ in den amtlichen kirchlichen Sprachgebrauch unter äußerst brisanten politischen Vorzeichen erfolgte, nämlich im Zuge des rassischen Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus. Weiterlesen

Geschäfte für den guten Zweck

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular "Hauptbuch (Manual) nach Schema F" im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular „Hauptbuch (Manual) nach Schema F“ im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Das Evangelische Stift St. Martin in Koblenz wurde 1844 als Kranken- und Waisenhaus gegründet. Sein Begründer, der aus Kreuznach stammende Johann Friedrich Kehr (1804-1867), war allerdings von Hause aus Buchdrucker, und so lag es nahe, dass er dem Stift ein Geschäftsmodell zugrunde legte, bei dem sein erlernter Beruf eine zentrale Rolle spielte. Neben dem Kranken- und Waisenhaus betrieb er noch eine Druckerei, eine Buchbinderei sowie eine Buch- und Schreibwarenhandlung, deren Reinerträge unmittelbar in die Finanzierung der beiden sozialen Einrichtungen flossen. Weiterlesen

Wohin mit alten Dienstsiegeln?

Wenn Kirchengemeinden fusionieren und eine neue Gemeinde ins Leben gerufen wird, dann muss neben zahlreichen anderen verwaltungstechnischen Formalitäten auch an die Schaffung eines neuen Siegels gedacht werden. So geschah es kürzlich bei der Vereinigung der drei Gemeinden Merxheim, Monzingen und Meddersheim zur Evangelischen Kirchengemeinde Mittlere Nahe, deren neu entworfenes Siegel bereits im Amtsblatt publiziert worden ist. Siegel KG Mittlere NaheWas aber soll mit den bisher gebrauchten Dienstsiegeln geschehen? Diese Frage hat die Gemeinde Mittlere Nahe geradezu vorbildlich geklärt. Weiterlesen

„Greift nun zu den Pokalen – lebt wohl, ihr Synodalen!“

Das lyrische Erbe der 27. Rheinischen Provinzialsynode

Die erste und die letzte Seite des humoristischen Mitgliederverzeichnisses der Rheinischen Synode von 1905 in Gedichtform aus der Feder von Pfarrer Friedrich Bingel (Weiler/Nahe); Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland;

Die erste und die letzte Seite des humoristischen Mitgliederverzeichnisses der Rheinischen Synode von 1905 in Gedichtform aus der Feder von Pfarrer Friedrich Bingel (Weiler/Nahe); Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (Boppard);

Rheinische Synoden können bisweilen recht trockene Veranstaltungen sein. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg war man aber immerhin bemüht, wenigstens zum Schluss der damals in der Regel zwei bis drei Wochen dauernden Tagungen den Synodalen, die vom großen Arbeitspensum meist ziemlich erschöpft waren, ein wenig Geselligkeit zu bieten – in Gestalt eines feierlichen Abschiedsessens.

Am Ende der Rheinischen Provinzialsynode des Jahres 1905 gab es zu diesem festlichen Mahl noch ein ganz besonderes Dessert: einen Gedichtvortrag von Pfarrer Friedrich Bingel aus Weiler an der Nahe, der mit launigen Versen sämtlicher anwesender Synodaler gedachte und dabei zwischen den Zeilen auch auf manch menschliches- allzumenschliches aus dem Leben der rheinischen Kirche anspielte. Völlig uneigennützig hatte der dichtende Theologe seine lyrische Ader freilich nicht angezapft: Die Übersendung der Druckfassung seines Werks an die synodalen Amtsbrüder verband er mit der Bitte um eine Spende für den örtlichen Pfarrhausbau – ein frühes Beispiel für fantasievolles Fundraising.

Archivstelle Boppard eröffnet Digitalen Lesesaal

Der Eingangsbildschirm des neuen Angebots "Digitaler Lesesaal"

Der Eingangsbildschirm des neuen Angebots „Digitaler Lesesaal“

Am  5. März 2016, dem bundesweiten Tag der Archive, hat die Archivstelle Boppard des Archivs  der Evangelischen Kirche im Rheinaland ihr neues Angebot „Digitaler Lesesaal“ eröffnet. Die ersten 190 der über 6000 rheinischen Kirchenbücher im Bopparder Archivmagazin sind nun an modernen PC-Arbeitsplätzen digital einsehbar.

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Familienforschung im digitalen Lesesaal – Einführung in das Online-Kirchenbuchportal

Familienforschung am Computer: Der Digitale Lesesaal der Evangelischen Archivstelle Boppard wird am 5. März eröffnet.

Familienforschung am Computer: Der Digitale Lesesaal der Evangelischen Archivstelle Boppard wird am 5. März eröffnet.

Zum bundesweiten „Tag der Archive“ am Samstag, 5. März 2016, öffnet auch die Evangelische Archivstelle Boppard ihre Pforten und gewährt zwischen 10 und 16 Uhr allen Interessierten einen Einblick hinter die Kulissen und in das sonst sorgsam verschlossene Magazin des Archivs. Als besonderer Leckerbissen für alle Familienforscher wird um 11 Uhr das neue Angebot „Digitaler Lesesaal“ eröffnet. Die historischen Kirchenbücher, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen und aus konservatorischen Gründen nur in Ausnahmefällen als Original vorgelegt werden, sind ab diesem Tag an PC-Terminals einsehbar. Weiterlesen

Erstellung von Familienbüchern – Dienstleistung für die genealogische Forschung

Regelmäßig zweimal pro Woche betritt Michael Frauenberger mit Bleistift und Schreibblock bewaffnet den Lesesaal der Archivstelle Boppard. Er nimmt die ältesten, bis in die 1570er Jahre zurück reichenden Kirchenbücher der Gemeinden Bacharach und Steeg in Empfang – dann folgen drei Stunden intensivster konzentrierter Arbeit.

Dr. Michael Frauenberger bei der Kirchenbuchauswertung im Lesesaal der Evangelischen Archivstelle Boppard

Dr. Michael Frauenberger bei der Kirchenbuchauswertung im Lesesaal der Evangelischen Archivstelle Boppard

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