Die Bahnhofsmission in Düsseldorf

Bahnhofsmission, Mitarbeiterin mit Sammelbüchse und Spender mit Zigarre und Hut, vermutlich Hauptbahnhof Düsseldorf, Hans Lachmann, Schachtel Nr. 86: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000805

Ferienzeit – Reisezeit. Heute reist man mit dem Flugzeug in ferne, exotische Länder, ab den 1960ziger Jahren mit dem Zug an die Nordsee oder nach Bayern und Österreich. Heute bilden sich lange Menschenschlangen vor den Abfertigungsschaltern und vor den Gates im Flughafen, früher herrschte ein Gedränge vor den Fahrkartenschaltern des Bahnhofs und auf den Bahnsteigen der Fernverkehrszüge. Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. War der Reisende auf solche Verkehrsmittel angewiesen, konnte er in fremden, unbekannten Orten stranden. War es ein Bahnhof, war damals die Bahnhofsmission ein nahezu allen bekannter Anlaufpunkt: Hier wurde ihm geholfen, vor allem mit einer Tasse Kaffee aus der großen Thermoskanne oder mit einem Teller Erbsensuppe. Ging der Koffer verloren, half sie mit Kleidung aus. Nicht nur das: Die zumeist ehrenamtlichen Helfer unterstützten behinderte Zugreisende, aus- und einzusteigen, sorgten dafür, dass Senioren mit ihrem Gepäck den richtigen Zug nahmen, begleiteten alleinfahrende Kinder und Kindergruppen zu den Ferienorten. Und Heiligabend sorgten sie dafür, dass sozial benachteiligte Personen gemeinsam feiern konnten. Finanziell blieben sie weitgehend auf sich gestellt. Ihre Arbeit war auf Spenden angewiesen.

  • Bahnhofsmission, Banner "Bahnhofsmission hilft! Helfen Sie uns helfen!", Hans Lachmann, Schachtel Nr. 86: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000805

Ökumene von Anfang an: 1894 wurde die erste Bahnhofsmission in Berlin gegründet. Evangelische und katholische Bahnhofsmissionen traten gemeinsam auf und schlossen sich 1910 in dem Netzwerk „Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland“ (KKBM) zusammen. Der Schutz und die Unterstützung von reisenden Menschen, anfänglich insbesondere von allein reisenden Frauen, betrachteten sie als ihren vordringlichen Auftrag. Nach dem 1. Weltkrieg konzentrierten sie sich auf heimkehrende Soldaten und Flüchtlinge, zu Beginn der 1930er Jahre auf reisende Kinder, arbeitslose Jugendliche und nicht sesshafte Landarbeiter. Im Zuge der Gleichschaltung in der Wohlfahrtspflege verbot der NS-Staat 1939 die Bahnhofsmissionen. Unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs, angesichts des dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Elends weiter Bevölkerungskreise, nahmen sie ihre Arbeit wieder auf und kümmerten sich um Flüchtlinge und Vertriebene, heimkehrende Soldaten und Kriegsgefangene. Sie unterstützten die Suche nach Familienangehörigen. Ab 1949 begann die Hilfe für Interzonen-Reisende. Die DDR bezichtigte die Bahnhofsmissionen der Spionage und verbot die östlichen Einrichtungen. Die 1960er Jahre prägten die Gastarbeiter und ihre Familien, die 1980er der Zuzug von Aussiedlern aus Osteuropa und Asylsuchenden die Tätigkeit. Die Organisatoren von Großveranstaltungen wie etwa den Deutschen Evangelischen Kirchentagen nahmen ihre Unterstützung in Anspruch. Mit der zunehmenden Automatisierung der Bahnhöfe ab den 1990er Jahre schwand zugleich die Bedeutung der Bahnhofsmissionen.

Die Gründung der Bahnhofsmission im Düsseldorfer Hauptbahnhof geht auf das Jahr 1902 zurück. Zeitgleich errichteten Frau Krakamp und ihre Mitarbeiterinnen In Via – die katholische Mädchensozialarbeit in Düsseldorf. 1906 folgte die evangelische Bahnhofsmission, initiiert von der Inneren Mission. Von Anfang an arbeiteten beide Initiativen gemeinsam in einem Raum. Die Gründerinnen boten arbeitssuchenden jungen Frauen und Mädchen, die vom ärmeren, ländlichen Umland in die aufstrebende Industrie- und Verwaltungsstadt Düsseldorf kamen, eine Unterkunft. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Bahnhofsmission zu einer Anlaufstelle für Menschen in unterschiedlichen Notlagen.

Die Bildersammlung unseres Archivs (Signatur 8SL 046) hält im Ordner 6_0008 insgesamt 33 Fotos zu diesem Thema vor. Eine Auswahl präsentiert Ihnen die beiden Diashows.

  • Evangelische Deutsche Bahnhofsmission, Mitarbeiterin schenkt Kaffee ein, Hans Lachmann, Schachtel Nr. 87: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000830

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