Ein Kirchenlied als mutiges Bekenntnis

Maschinenschriftliche Abschrift des Schreibens der NSDAP-Ortsgruppe Kastellaun an die Kreisleitung in Simmern vom 23. Dezember 1933, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 050B (Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf), Nr. 15, Akte 06-7.

Der Kirchenkampf in der Zeit des Nationalsozialismus spaltete viele evangelische Kirchengemeinden. Auch durch die evangelische Gemeinde in Kastellaun im Hunsrück ging nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ein Riss. 1933 bildete sich eine Ortsgruppe der Glaubensbewegung „Deutsche Christen“, der vor allem das Verhalten des seit 1925 amtierende Pfarrers Edmund Kottje ein Dorn im Auge war.

Kottje wurde nicht müde, seine Ablehnung des Nationalsozialismus und der deutschchristlichen Theologie öffentlich und insbesondere in seinen Predigten deutlich kund zu tun. Mit klaren Worten kritisierte er Antisemitismus und Führerkult und ließ zum Reformationstag des Jahres 1933 seine Gemeinde das Lied „Geist des Glaubens, Geist der Stärke“ von Philipp Spitta singen. Dieses 1833 entstandene Lied prangert in einer Strophe die „den Götzen dieser Zeit“ huldigende „verführte blinde Menge“ an – vor dem Hintergrund der kirchenpolitischen Situation hundert Jahre später war das Singen genau dieses Verses eine unverhohlene und mutige Kritik am NS-Regime und der Ideologie der Deutschen Christen. Postwendend wurde Kottje denunziert, doch stand der größere Teil seiner Gemeinde hinter ihm. Er unterstützte weiterhin jüdische Familien aus Kastellaun bei der Beschaffung von Papieren für die Ausreise und kam auch in denfolgenden Jahren immer wieder mit der NS-Justiz in Konflikt. Meist warf man ihm beleidigende Äußerungen gegenüber Hitler und seiner Politik vor. Zur Jahreswende 1939/40 wurde er für mehrere Wochen inhaftiert. Weiterlesen

Zwischen Serviceorientierung und Schutz der Archivalien: Fortbildungsveranstaltung zur archivischen Nutzung

Die Hauptfunktion von Archiven sollte es bekanntlich sein, gut erschlossene Bestände der Öffentlichkeit über verschiedene Benutzungswege zugänglich zu machen. Hierbei gilt es die rechte „via media“ zwischen Serviceorientierung, konservatorischen Aspekten und rechtlichen Vorgaben einzuschlagen. Speziell bei Kirchenarchiven spielt dabei quantitativ die Nutzung von Kirchenbüchern die größte Rolle.

Hierzu bietet das Archiv der EKiR in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland am 9. November 2017 eine Fortbildungsveranstaltung in Brauweiler an. Im Blick stehen vor allem die vielen kleinen ehrenamtlich betreuten Archive der rheinischen Kirchengemeinden. Den Programmflyer zur Tagung finden Sie hier, die Online-Anmeldung erfolgt über die Seite des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums.

Emotionaler Abschied von einer Glocke

Glockenabschied, Predigt von Johannes Hanke (1887-1958), 8.7.1917, erste Seite;
aus: 7NL 009

„Lieber Freund! Heute will jemand von uns Abschied nehmen, der 27 Jahre unserer Gemeinde treu gedient hat, nun aber auch des Königs Ruf folgen muß. Unsere Vaterunserglocke! Sie, die kleinste unserer 3 Glocken, ist für tüchtig befunden, ihre eherne Stimme in vielfachen Schrei aufgelöst über das Schlachtfeld erschallen zu lassen.Sie, die einsam soll hinein gezerrt werden ins nächste Schlachtgewühl. Sie, die dem Dienste Gottes gedacht war, soll mithelfen im sündengeborenen Streit der Völker dieser Erde. Sie, die wie mit Kinder Stimme freundlich und friedvoll, entsang im Chor ihrer großen Schwestern soll nun in andrer Gestalt Schmerzensschreie auslösen und Herzen zerreißen. Sie, die erhaben über den Raub der Erde mit ihrem Klang nur einziehen wollte in den Frieden der Ewigkeit, soll nun Tod und Verderben speien“

Mit diesen martialischen Worten beginnt die Predigt des Pfarrers Johannes Hanke am 8. Juli 1917 in Eckardtsheim, einer Zweiganstalt der von Bodelschwing’schen Anstalten Bethel. Weiterlesen

Vorgestellt: Ingrid Drobny, Siegelzeichnerin der Evangelischen Kirche im Rheinland

Ingrid Drobny,  geboren am 24. Februar 1935, Foto: Website Drobny Design

Ingrid Drobny ist eine vielseitige Grafikerin, u. a. hat sie in den Jahren 1952-2010 Kirchensiegel für rheinische Kirchengemeinden gezeichnet.

Im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland liegen aus dieser Zeit 22 Siegel vor.

Für das Blog des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland beantwortet Ingrid Drobny Fragen zur grafischen Gestaltung von Kirchensiegeln und zur Siegelordnung:

 

 

Weiterlesen

Glockengießer

Erschienen im Heft „Musik und Kunst“ 20. Jahrgang, 1950 September/Oktober

Konkurrenz oder Mitanbieter, diese Frage stellt sich einem, wenn man die Werbung der Glockengießer in der Veröffentlichung des Heftes „Musik und Kunst“ 20. Jahrgang, 1950 September/Oktober sieht. Dort werben 12 Hersteller von Bronzeglocken um Kunden. In diesen Anzeigen findet man auch Hinweise auf weitere Produkte, die diese Firmen produzieren: dazu zählen Läutewerke, Glockenstühle und Turmuhren.