Trotz Notzeiten und Papierknappheit: An die Einführung von Pfarrer Heiermann in Lennep am 3. Advent 1946 erinnert eine gedruckte Predigt

Erinnerung an die Einführung von Pastor Heiermann aus Dortmund , 3. Advent 1946 ; Ansprache am 15. Dezember 1946; aus Bestand: AEKR Düsseldorf Archivbibliothek Bec 2700

AEKR Düsseldorf Archivbibliothek Bec 2700

Auf der Suche nach einem Adventsthema für unseren Blog stieß ich im Katalog der Archivbibliothek auf die gedruckte Einführungspredigt des Pfarrers Bernhard Heiermann vom 3. Advent (15.12.) 1946. Das ist genau 70 Jahre her und ich war erstaunt, dass in dieser Zeit des alltäglichen Mangels und der Not das Papier vorhanden war, um dieses Heft „Zur freundlichen Erinnerung an die Einführung“ zu drucken. Den Auftrag führte die J.F. Ziegler’sche Buchdruckerei in Remscheid im Januar 1947 aus. Das Exemplar gelangte aus dem Besitz des früheren Präses Joachim Beckmann in den Bestand der Archivbibliothek. Das stark holzhaltige, grobe Papier ist stark gebräunt und brüchig. Das Titelblatt ziert ein Foto des Kirchturms der alten evangelischen Stadtkirche in Lennep.

 

Nach der kurzen Einführungsansprache des Superintendenten Dr. Gustav Kertz, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Remscheid, ist die Predigt Pfarrer Heiermanns abgedruckt. Predigttext war der 1. Korintherbrief 4, 1-5: „Dafür halte uns jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. …“. Der Prediger zeigt sich „dankbar […], daß uns mit der Epistel des heutigen Sonntags gleich das rechte Wort für diese Stunde geschenkt ist.“

Pfarrer Bernhard Heiermann, ca.1931 ; Personalakte 51 H 293, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL046 (Bildarchiv), 012H_0098;

Pfarrer Bernhard Heiermann, ca.1931 ; Personalakte 51 H 293, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL046 (Bildarchiv), 012H_0098;

Mit Bernhard Heiermann kehrte ein Theologe in seine rheinische Heimat zurück, den die Auseinandersetzung der Bekennenden Kirche mit den Nationalsozialisten genötigt hatte, ein Pfarramt außerhalb des Wirkungsbereiches des rheinischen Konsistoriums in Düsseldorf anzutreten. Er wurde am 24. Mai 1907 in Düsseldorf geboren. Seine theologischen Examina legte er 1931 und 1933 ab. Er wurde als Hilfsprediger in Elberfeld und ab Februar 1934 in Hilden eingewiesen, seine Ordination erfolgte am 15.10.1933 in Düsseldorf. Von 1934 bis 1935 war Heiermann Leiter der `Bruderschaft Junger Theologen` in der Bekennenden Kirche.

„Schon im Februar 1934 wurde er beim Konsistorium denunziert, weil er im Gottesdienst am 18. Februar 1934 für die drei gemaßregelten rheinischen Pfarrer Heinrich Held, Friedrich Graeber und Joachim Beckmann gebetet hatte. Entgegen dem Willen von 488 Gemeindegliedern, die sich für Heiermann einsetzten, wurde er bereits am 12. April 1934 […] als Hilfsprediger entlassen“, berichtet Simone Rauthe in „Scharfe Gegner“ (S. 208). Da er weiterhin in Hilden predigte, verlangte das Konsistorium zunächst eine Gehorsamserklärung und leitete im Juli 1934 ein Disziplinarverfahren ein, das die Entziehung der Rechte des geistlichen Standes zum Ziel hatte. Das Verfahren wurde nach Verzögerungen wegen ungeklärter Rechtsfragen im Juli 1935 eingestellt. Heiermann verließ das Rheinland und wurde Pfarrer an der Reinoldikirche in Dortmund. Nach dem Pfarramt in Lennep von 1946 bis 1955 wechselte er auf die fünfte Pfarrstelle der Reformierten Gemeinde Elberfeld, verstarb dort jedoch bereits am 31. Januar 1957.

Weitere Literatur: Wolfgang Wewer: Wider den deutsch-christlichen Kadavergehorsam. Der unbeirrbare Weg des BK-Theologen Bernhard Heiermann. In: Sie schwammen gegen den Strom. Widersetzlichkeit u. Verfolgung im “Dritten Reich”, Hg.: Günther van Norden u. Klaus Schmidt. Köln 2006, 81-83

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