Ein Merkblatt für die Hausfrau für den Umgang mit Dienstmädchen

Änne Kaufmann Berufstätigenarbeit aus: 7NL084, 39

Merkblatt für die Hausfrau, 1950,
aus: 7NL084 Pastorin Änne Kaufmann, 39

1950 wagte sich der Sozialausschuss des Rheinischen Mädchenwerkes, dem auch Pastorin Änne Kaufmann angehörte, an eine Diagnose der Situation junger Arbeiterinnen. Eine der dabei untersuchten Berufsgruppen war die der Hausangestellten, weniger förmlich also der Dienst- oder Hausmädchen.

Dienstmädchen wohnten ständig im Haushalt ihres Arbeitgebers und verrichteten dort sämtliche hauswirtschaftlichen Arbeiten gegen Kost und Logis und einen kleinen Lohn. Seine eigentliche Blütezeit hatte das sog. Dienstbotenwesen bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebt, aber auch in den 1950er Jahren war es noch durchaus üblich.

Frau Oberin Hinsberg schilderte dem Ausschuss in ihrem Referat “Die besondere Lage der Hausangestellten”  das Dilemma dieses Berufsfelds: zahlreiche Stellen waren in diesem fast rein weiblichen Berufszweig unbesetzt, obwohl die Zahl der arbeitssuchenden Frauen in die Tausende ging. Viele Frauen wollten einfach nicht im Haushalt arbeiten.

Der kurzen Liste von Vorteilen des Berufs setzte Hinsberg eine lange Liste von Nachteilen entgegen. Der wichtigste Punkt: es fehlte für die Hausangestellten an jeglicher rechtlicher Sicherheit. Die meisten anderen Nachteile resultierten aus dieser Situation: unklare Befehlsgewalt, soziale Abwertung durch persönliche Abhängigkeit, soziale Vereinzelung durch nicht vorhandene Freizeit- und Urlaubsansprüche und lange tägliche Arbeitszeiten, geringes Gehalt wegen fehlender Tarife, Gefahr des Ausscheidens wegen Verheiratung…. All das führe dazu, dass „die Haushaltsgehilfin dadurch leicht in verkehrte Bahnen“ gerate.

via Wikimedia Commons [19.8.2016]

Edouard John Mentha: Lesendes Dienstmädchen in einer Bibliothek, via Wikimedia Commons [19.8.2016]

War das Verhältnis zwischen dem Hauspersonal und der „Herrschaft“ bis zum Jahr 1918 noch durch die Preußische Gesindeordnung zumindest einigermaßen geregelt, fehlte ein entsprechendes Gesetz in Deutschland auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine erste Abhilfe sollte das hier gezeigte Merkblatt für Hausfrauen schaffen, indem es für die Lage der „Mädchen“ sensibilisierte. Die Hausfrauen (wohlgemerkt nicht die Männer des Haushaltes!) wurden hier in die Pflicht genommen:

„Auch für Dein Hausmädchen bedeutet Verantwortung, Selbständigkeit und Anteilhabendürfen am Leben Deiner Familie Antrieb, Freude und Inhalt der Arbeit.“

Außerdem:

„Aber viele Regelungen hängen von Dir selber ab. Wie ist es mit der Freizeit? Hat das Mädchen die Möglichkeit während der Geschäftszeit in die Stadt zu gehen, um persönliche Einkäufe zu erledigen? Hat dein Mädchen zur gegebenen Zeit die Möglichkeit, seine eigenen Sache instand zu setzen und in Ordnung zu halten?

Natürlich sollten auch noch andere Maßnahmen ergriffen werden: Der Beruf sollte durch Schulungen und Weiterbildungen aufgewertet werden, Möglichkeiten für Treffen der Dienstmädchen geschaffen sowie auf tarifliche und rechtliche Absicherung gedrungen werden.

 

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