Süddeutscher Kirchenarchivtag in Nürnberg 2016

© Foto: Axel Schneider, Süddeutscher Kirchenarchivtag 2016 im Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB )

© Foto: Axel Schneider, Süddeutscher Kirchenarchivtag 2016 im Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB )

Am 14. bis 15. Juni 2016 fand im Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB ) der Süddeutsche Kirchenarchivtag statt (in Nürnberg). Die Tagung eröffnete und begleitete die Archivleiterin Dr. Andrea Schwarz. Zunächst wurden 4 Gruppen gebildet, die nacheinander in die verschiedenen Bereiche des Archivs eingeführt wurden. Dr. Schwarz führte die 1. Gruppe durch den 2011 – 2013 errichteten Archivneubau und erklärte die Funktionalität des Baus. Dr. Daniel Schönwald zeigte dann den Benutzerbereich und erläuterte den Fortgang der Digitalisierung bei der Benutzung der Kirchenbücher. Archivar Peter Halicska erzählte von seiner Tätigkeit in der Archivpflege und wie bei der Betreuung der Pfarrarchive vorgegangen werden sollte. Bibliothekar Thilo Liebe sprach über den Aufbau der Archivbibliothek und den Umgang mit den Kirchenbüchereien der Gemeinden. Nach einer Pause führte uns Johannes Haslauer M.A. vom Staatsarchiv Coburg in das Kulturportal des Staates Bayern, das „Bavaricon“,  ein. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Präsentation der Zeit der Reformation und der katholischen Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Anschließend sprach Dr. Gabriele Stüber aus Speyer über die Wanderausstellung zur Reformationsdekade „Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten“, die am 08. März 2016 in Worms eröffnet wurde und bis 2018 in deutschen Städten gezeigt wird. Dazu gibt es auch einen reich bebilderten Katalog.

Der 2. Tag begann mit einer Andacht und Führung in der Lorenzkirche durch Touristenpfarrerin Susanne Bammessel. Zurück im Archiv setzte sich die Tagung fort mit einem Vortrag von Dr. Udo Wennemuth aus Karlsruhe über die Problematik bei der Führung elektronischer Kirchenbücher. Den letzten Beitrag lieferte Peter Halicska, der über die Notfallverbünde der Archive im Katastrophenfall (Feuer-, Wasserschäden etc.) am Beispiel des Notfallverbundes Nürnberg sprach.

Den Schlusspunkt setzte Dr. Stüber mit der Einladung an alle zur nächsten Südschienentagung in Speyer.

Interessante Überlieferung zu einer Konfirmation im Jahr 1908

Von dem Düsseldorfer Pfarrer und Superintendenten i.R. Helmut Ackermann (über ihn) hat das Landeskirchliche Archiv eine Anzahl älterer Gesangbücher übernommen. Diese Sammlung erstreckte sich über das Rheinland hinaus. Eines dieser Gesangbücher enthält interessante Dokumente zur Geschichte einer Konfirmation im Jahr 1908: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902, verlegt in Wolfenbüttel bei Julius Zwißler.

Das zweite Vorsatzblatt enthält die folgende Widmung:

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Rudolf Studte
ist am weißen Sonntag 1908 (den 26. April)
in der Katharinenkirche zu Braunschweig
konfirmiert.
Text der Konfirmationsrede:
Hebr. 10.39.
Wir aber sind nicht von denen, die da
weichen!
Braunschweig, den 27. April 1908
Stock, Pastor.

Die hier erwähnte Konfirmationsrede hat Pastor Stock drucken lassen:
“Fest und treu!” Konfirmationsrede gehalten am Weissen Sonntag (26. April) 1908 in der St. Katharinenkirche zu Braunschweig von Pastor A. Stock über Hebr. 10, 39. Braunschweig: Verlag von Johannes Neumeyer 1908, 10 Seiten

Möglicherweise hat jede(r) Konfirmierte den Druck anschließend erhalten. Jedenfalls hat Rudolf Studte die Predigt besessen und in sein Konfirmationsgesangbuch eingelegt. Es handelt sich übrigens um ein sehr schönes Gesangbuch mit einem in Jugendstilornamenten geprägten Pappeinband; die goldene Inschrift auf dem vorderen Deckel “Befiehl dem Herrn deine Wege” und der Goldschnitt vervollständigen die Ausstattung.

Eine weitere Beilage verrät, wie das Gesangbuch aus Braunschweig nach Düsseldorf gelangte: Weiterlesen

Geschäfte für den guten Zweck

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular "Hauptbuch (Manual) nach Schema F" im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular “Hauptbuch (Manual) nach Schema F” im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Das Evangelische Stift St. Martin in Koblenz wurde 1844 als Kranken- und Waisenhaus gegründet. Sein Begründer, der aus Kreuznach stammende Johann Friedrich Kehr (1804-1867), war allerdings von Hause aus Buchdrucker, und so lag es nahe, dass er dem Stift ein Geschäftsmodell zugrunde legte, bei dem sein erlernter Beruf eine zentrale Rolle spielte. Neben dem Kranken- und Waisenhaus betrieb er noch eine Druckerei, eine Buchbinderei sowie eine Buch- und Schreibwarenhandlung, deren Reinerträge unmittelbar in die Finanzierung der beiden sozialen Einrichtungen flossen. Weiterlesen

Foto Puzzle 2.0 – Album „Nicht identifizierte Fotos“

Ein erster Erfolg!

Das Archiv hat das Material, die Öffentlichkeit die Information. Mit der Vernetzung beider Komponenten vervollständigt sich das Bild der Historie!

Gruppenaufnahme Predigerseminar Soest mit Beschriftung 1902-1903; aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 030_0002

Gruppenaufnahme Predigerseminar Soest mit Beschriftung 1902-1903; aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 030_0002

Kaum war die Onlinestellung unserer Archivbilder ausgerufen (Flickr), schon erhielt ich eine Rückmeldung zu einem unserer nicht identifizierten Fotos (s.o.). Herr Michael Lavista (Pfr. in Ratingen-Hösel) wurde über die EKiR-Seite auf uns aufmerksam. Er schickte mir eine E-Mail mit den folgenden Informationen und dem Hinweis auf eine zeitliche Ungereimtheit :

„Das zweite Bild dieser Sammlung mit dem Titel Unbekannte Gruppenaufnahme mit Beschriftung 1902-1903 zeigt offenbar eine Gruppe vor dem Predigerseminar in Soest. Die Fassade im Hintergrund, insbesondere die markanten Fenster legen diesen Schluss nahe (vgl. hierzu folgende Aufnahme, dort die Fassade links im Bild!).

Postkarte: Prediger-Seminar Soest

Anfang des 20. Jahrhunderts war ein Dr. Gotthold Müller Direktor im Soester Predigerseminar, ebenfalls kam in dieser Zeit Johannes Hymmen als Inspektor an das Seminar (Allerdings: Nach dem Personenlexikon zum deutschen Protestantismus 1919-1949 [hg. v. Braun/Grünzinger, Göttingen 2006] soll Hymmen erst 1905 an das Soester Seminar gekommen sein. Das widerspricht etwas der Jahreszahl auf dem Foto, diese Ungereimtheit kann ich mir ad hoc nicht erklären. Da müsste das Kirchenarchiv der Westfalen Aufschluss geben.).“

Ein erfreuliches Resultat der unkomplizierten Vernetzung. Vielen Dank Herr Lavista

siehe auch:

 

Buchversteck

Wenn man Bücher aus  Beständen für die Bibliothek des Archivs übernimmt und diese bevor man sie katalogisiert oder makulatiert, schaut  man in die Bücher rein um festzustellen ob sich darin interessante Einlagen befinden. Man kann dann Pflanzen, Kalenderblätter, Lesezeichen usw. finden. In dem Buch mit dem Titel “Verhandlungen der außerordentlichen Generalsynode der evangelischen Landeskirche in Preußen” Berlin 1876,  war nicht besonders eingelegt, aber beim durchblättern bemerkte ich einen Schatten in der Mitte des Buches.

buchversteckEin näherer Blick zeigt, dass jemand knapp am Buchrücken eine Vertiefung durch mehrere Seiten gehend geschnitten hatte. Die Aussparung war ca. 2 cm tief, 8 cm lang und 3 cm breit. Einzige Erklärung, diese Vertiefung diente zur Aufbewahrung von Gegenständen, die vor Fremden geschützt werden sollten. Diese Aussparung war geeignet um zum Beispiel einen Schlüssel oder Geldscheine aufzunehmen. Da das Buch unauffällig eingebunden war und der Besitzer der Meinung war, das dieses Buch nicht interessant sei wurde es zu einem sehr sicheren Versteck. Denn nur der Eigentümer konnte wissen in welchem Buch was versteckt war, vielleicht eine Anregung wie man heute selber für wertvolle Dinge ein Versteck bauen kann.

Posterausstellung zum Reformationsjubiläum ab jetzt zu bestellen

“Here I stand… Martin Luther, die Reformation und die Folgen”: Unter diesem Titel hat das Deutsche Historische Museum in Berlin zusammen mit weiteren Kultureinrichtungen eine Ausstellung von 30 Postern im Format DIN A 1 erarbeitet. Sie zeigt die wichtigsten Stationen der Reformationsgeschichte und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart. Als Besonderheit lassen sich ferner 3D-eingescannte Originalexponate herunterladen und mit einem 3D-Drucker ausdrucken.

Bei Bestellung bis zum 30.7.2016 beträgt der Preis 40,–€, danach 50,–€. Die Auslieferung erfolgt ab dem 11.10.2016. Alle Informationen, Bestellformulare und Beispielseiten der Ausstellung finden Sie hier.

Wir sind dann mal online – jetzt auch auf Flickr

Flickr

Flickr-Seite des Landeskirchlichen Archivs

„Informationswohlstand FÜR ALLE“, das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, als wir mit diesem Archivblog 2014 starteten. Nun leiten wir den nächsten Entwicklungsschritt ein.

Seit über 20 Jahren werden ausgewählte Fotos, Abbildungen und Dokumente im Archiv der EKiR digitalisiert und mit Metadaten beschrieben. Unsere digitale Sammlung wächst stetig und umfasst heute ca. 100.000 hochauflösende Images, die für Forschungstätigkeiten, Publikationen und Ausstellungen genutzt werden können. >> weitere Infos

Eine Auswahl dessen ist nun im Fotocommunity-Portal Flickr zugänglich. Hier haben wir zunächst 758 Fotos online gestellt, die sich thematisch über 18 Fotoalben verteilen.
Zu sehen sind, neben historischen Atelierfotos, auch so manch private Knipseraufnahmen von Personen der Rheinischen Landeskirche. Sie beleuchten aus dem protestantischen Blickwinkel das Leben in der Gemeindearbeit, dem kirchlichen Vereins- und Bildungswesen sowie diversen Einrichtungen und Stiftungen. Ferner lassen sich aber auch Aufnahmen namhafter Personen, besonderer Ereignissen und Vasa Sacra finden. Weiterlesen

Wo die Geschichte Zukunft macht

Mein Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland

Die Gegenwart kann nie losgelöst von ihrer Vergangenheit beurteilt werden. So wäre die derzeitige Krise der EU, die sich im Brexit der vergangenen Woche erschreckend deutlich manifestierte, wohl keine “Krise” ohne das Wissen um die Erfolgsgeschichte der europäischen Integration. Aber auch die Brexit-Befürworter argumentierten mit vergangenen, vermeintlich besseren Zeiten, als Großbritannien noch nicht unter der Knechtschaft Brüssels gestanden habe. Die Beurteilung des Ist-Zustandes einer Gesellschaft wird so häufig zu einem Streit um deren Vergangenheit. Umso wichtiger ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte (die heute mehr denn je eine Geschichte des Globalen ist). Welche essentielle Rolle Archive in diesem Prozess spielen, bleibt der breiten Öffentlichkeit (und manchmal leider auch den politischen Entscheidungsträgern, die entsprechende Finanzmittel bewilligen) dabei häufig verborgen.

Während meiner Promotion in der Geschichtswissenschaft habe ich verschiedene große und kleine, private, kirchliche und staatliche Archive bereits als Benutzerin kennengelernt. Ob der Archivdienst auch eine berufliche Perspektive für mich darstellt, wollte ich in den vergangenen vier Wochen bei einem Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche des Rheinlandes näher erkunden.Collage1 Weiterlesen