Erstellung von Familienbüchern – Dienstleistung für die genealogische Forschung

Regelmäßig zweimal pro Woche betritt Michael Frauenberger mit Bleistift und Schreibblock bewaffnet den Lesesaal der Archivstelle Boppard. Er nimmt die ältesten, bis in die 1570er Jahre zurück reichenden Kirchenbücher der Gemeinden Bacharach und Steeg in Empfang – dann folgen drei Stunden intensivster konzentrierter Arbeit.

Dr. Michael Frauenberger bei der Kirchenbuchauswertung im Lesesaal der Evangelischen Archivstelle Boppard

Dr. Michael Frauenberger bei der Kirchenbuchauswertung im Lesesaal der Evangelischen Archivstelle Boppard

Michael Frauenberger ist einer der erfahrensten und versiertesten Familienforscher im Raum Mittelrhein-Hunsrück. „Mein Anliegen ist es, die in den Kirchenbüchern schlummernden genealogischen Informationen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Deshalb schreibe ich Familienbücher.“ In den zurückliegenden dreiunddreißig Jahren hat er eine unüberschaubare Vielzahl dieser für Familienforscher unentbehrlichen Hilfsmittel verfasst, in denen die in den Tauf-, Heirats- und Sterbebüchern genannten Personen alphabetisch nach Familien zusammengestellt sind.

Was auf den ersten Blick nach eher banaler Fleißarbeit klingt, ist in Wirklichkeit eine hochkomplexe Materie, für die Spezialwissen nicht nur im Lesen alter Schriften erforderlich ist, sondern auch in zahlreichen anderen Bereichen. Ohne profunde Kenntnisse der regionalen Orts-, Wirtschafts- und Siedlungsgeschichte, der historischen Geographie, der Namenskunde und manchmal sogar der lokalen Dialekte ist ein seriöses Familienbuch nicht zu erstellen.

Michael Frauenberger, von Hause aus Kaufmann und promovierter Jurist, hat sich dieses Wissen autodidaktisch erarbeitet. „Für Geschichte habe ich mich schon immer interessiert. Irgendwann habe ich angefangen, gemeinsam mit meinem Großvater Stammbäume unserer Familie zu erstellen. Und dann wollte ich natürlich alle genealogischen Quellen meiner Heimatstadt Boppard aufarbeiten.“ Das erste Familienbuch aus Frauenbergers Feder erschien 1983. Seitdem hat er sämtliche evangelische und katholische Pfarreien des ehemaligen Oberamtes Simmern, alle Stadtteile Boppards sowie viele andere Gemeinden in der Region Mittelrhein-Hunsrück bearbeitet. Zurzeit sitzt er an einer Neubearbeitung des Familienbuchs Steeg. Aktiv ist er außerdem in der renommierten Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde (WGfF), deren Beirat er seit 16 Jahren vorsteht. In der WGfF-Bezirksgruppe Mittelrhein ist er stellvertretender Vorsitzender.

Was muss ein Forscher, der sich an die Erstellung eines Familienbuchs wagt, an Vorwissen mitbringen?  „Wichtig sind in erster Linie hervorragende paläographische Kenntnisse,“ bilanziert der inzwischen 81-jährige Frauenberger im Rückblick auf ein Jahrzehnte langes Forscherleben, „und ein Mindestmaß an Lateinkenntnissen ist wichtig, auch für die Bearbeitung der älteren Bücher evangelischer Gemeinden. Nicht zu vergessen natürlich das Wissen um die regionale Konfessions- und Kirchengeschichte.“ Das Bopparder Archiv ist für Michael Frauenberger deshalb eine reiche Fundgrube – und es profitiert seinerseits von der Arbeit des beschlagenen Familienforschers, denn die zahlreichen Familienbücher aus seiner Feder leisten bei so mancher genealogischen Recherche des Archivpersonals wertvolle Dienste. Darüber hinaus sind alle Familienbücher im Lesesaal für Benutzerinnen und Benutzer frei zugänglich und steigern so die Attraktivität des Archivstandorts Boppard.

4 Gedanken zu “Erstellung von Familienbüchern – Dienstleistung für die genealogische Forschung

  1. Sehr geehrter Herr Metzing,
    ich würde gerne mit Herrn Dr. Frauenberger wegen genealogischer Fragen in Kontakt treten. Leider ist mir
    keine mail-Adresse von ihm bekannt. Oder ist es nur per Briefpost möglich.
    Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freunlichem Gruss,
    Claus Kramps

    • Sehr geehrter Herr Dr. Kramps,

      in der Tat ist Herr Dr. Frauenberger nicht per E-Mail, sondern nur auf dem Briefpostweg zu erreichen. Ich werde Ihnen seine Postadresse per E-Mail zukommen lassen.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Andreas Metzing

  2. Ich habe gelesen, dass Dr.Frauenberger ein Buch über die Gemeinde Kestert geschrieben hat, da viele meiner Vorfahren von dort stammen wüsste ich gerne. ob man die Daten einsehen kann.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr.Gunhild Kilbinger

    • Hallo Frau Kilbinger,

      das angesprochene Familienbuch behandelt die katholische Pfarrei Kestert 1663-1800. In Boppard verfügen wir nicht über den Band. Das Buch ist aber z.B. in der Bibliothek der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig nachgewiesen. Diese ist eine Abteilung des Sächsischen Staatsarchivs Leipzig, nähere Angaben finden Sie auf dessen Webseite.

      Viele Grüße
      Stefan Flesch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.