Kriegsbeute von 1917 in der Archivbibliothek

Histoire ancienne des Égyptiens, des Carthaginois, des Assyriens, des Babyloniens, des Mèdes et des Perses, des Macédoniens, des Grecs/ par Rollin, Charles; Paris : Huet [u.a.], 18XX, AEKR Archivbibliothek: Aa 2 012

Histoire ancienne des Égyptiens, des Carthaginois, des Assyriens, des Babyloniens, des Mèdes et des Perses, des Macédoniens, des Grecs/ par Rollin, Charles; Paris : Huet [u.a.], 1805, AEKR Archivbibliothek: Aa 2 012

In der Bibliothek des Archivs befindet sich ein Buch mit einem recht gut erhaltenen braunen Ledereinband (Signatur Aa 2 012), das „es in sich hat“. Es handelt sich um Band 11 des Werkes „Histoire ancienne des Égyptiens …“ von Charles Rollin, verlegt in Pars im Jahr XIII des französischen Revolutionskalenders (1805). Auf die erste Innenseite ist ein Blatt geklebt, auf das handschriftlich notiert ist: „Dieses Buch stammt aus der Bibliothek des Schlosses von Lizy bei Laon, das im Herbst 1917 während der Kämpfe am Chemin des Dames zerstört wurde und von seinen Bewohnern verlassen war. Karl Harraeus, Leutnant“.

Unter den deutschen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg im Herbst 1917 in Frankreich am Chemin des Dames, einem Höhenzug im Norden des Landes, kämpften, war der Leutnant Karl Harraeus. Er war der Sohn des Provinzialkirchenarchivars der Rheinprovinz, Pfarrer Karl Harraeus. Das Provinzialkirchenarchiv war der Vorgänger des landeskirchlichen Archivs. Pfarrer Harraeus (1863-1928) leitete dieses nebenamtlich von 1906 bis 1924, neben seinem Pfarramt in der Kirchengemeinde Winningen. Den Vornamen Karl trugen die Söhne Friedrich Karl Hermann, geboren 1892, und Karl Philipp Leonhard, geboren 1894. Nähere Angaben zu deren Lebensläufen liegen nicht vor. Karl Harraeus hat also damals das Buch in dem zerstörten Schloss von Lizy bei Laon an sich genommen und später durch das Einkleben des Zettels als Erinnerungsstück markiert.  Da sich in der Archivbibliothek weitere Bücher aus dem Besitz des Archivars Harraeus befinden, dürfte dieses Exemplar aus dessen Nachlass in das Archiv gelangt sein. Das Archiv wird sich bemühen, den Rechtsnachfolger des damaligen Eigentümers zu ermitteln, um Verhandlungen zur Restitution des Buches aufzunehmen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass Pfarrer Harraeus 1915 das Amt des Archivars niedergelegt hat. Sein Nachfolger sollte der Pastor Friedrich Schmitt (* 1871) werden, der allerdings am 13. Juni 1915 als Soldat gefallen ist. Harraeus hat daraufhin seine Tätigkeit als Archivar doch weitergeführt.

 

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